Die letzte Reise der Schmetterlinge

Name: Die letzte Reise der Schmetterlinge
Englischer Name:
Originaltitel: Cho-No-Michiyuki
Herausgebracht: Japan: Ran Takahama 2015
Deutschland: Carlsen 2017
Mangaka: Kan Takahama
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 14,90 €

Story
Das Leben einer Kurtisane in der Edo-Periode Japans ist nicht leicht.

Als junges Mädchen von ihrem eigenen Vater, an ein Freudenhaus, verkauft meistert Kicho dennoch tapfer ihr Leben. In dieser ihr fremden Welt steigt sie zur meist begehrten und teuersten Kurtisane der damaligen Zeit auf.

Das dahinter aber die Liebe zu einem bestimmten Mann steckt weiß kaum einer. Sie benutzt die Freier für ihre Zwecke, um denen zu helfen, die sie liebt und doch lässt sie es gerade diese Menschen nicht wissen, um ihnen nicht weiter weh zu tun.

Dabei hadert sie immer wieder mit sich. Gerade wenn einer ihrer Freier ein netter älterer Arzt ist, der sich wirklich in sie zu verlieben scheint! Aber die Liebe zu dem anderen Mann ist stärker, selbst über den Tod hinaus!

Eigene Meinung
Die letzte Reise der Schmetterlinge“ ist wirklich eine tolle Graphic Novel. So schwer das Leben für Kicho auch ist, so wird sie nie für ihre Taten verurteilt. Vielmehr versucht uns die Autorin näher zu bringen warum sie tut, was sie tut und diese Geschichte ist wirklich herzergreifend und oft auch sehr tragisch. Wie soll man es auch verkraften verkauft zu werden? Wie es unbeschadet überstehen sich immer wieder fremden Männern hinzugeben? Warum nicht nutzen was man anbietet, um zu bekommen was man möchte? Dies tut sie nur um heimlich denen zu helfen, die sie liebt, auch wenn diese es nicht wissen und sie dafür durchaus zuerst gehasst wird. All das erträgt sie, bis zum bitteren Ende tapfer und man wünscht ihr wirklich bald, auch wenn es tragisch ist, mit ihrer Lieber wieder vereint zu werden.

Die Zeichnungen sind wirklich toll. Sehr detailliert, was einen in die damalige Ära wirklich eintauchen lässt. Dabei wird auch nicht mit nackter Haut gegeizt, allerdings alles eher geschmackvoll, als auf die vulgäre Art.

Mit dem Lesen kam man gut voran, ab und an waren die Panels ein wenig textlastig, aber darüber konnte man bei dieser wirklich interessanten Geschichte gern hinweg sehen.

Die Altersempfehlung liegt bei 14 Jahren und ist gut gewählt. Jüngeren Lesern würde auch die Reife fehlen, um die genauen Hintergründe, für das was Kicho tut, zu verstehen.

Fans von wirklich guten historischen Geschichten, die auch nicht vor einer gewissen Dramatik zurück scheuen, sollten bei „Die letzte Reise der Schmetterlinge“ unbedingt zugreifen. Zwar ist die Graphic Novel mit 14,90 € ein wenig teuer aber für den Umfang und die Aufmachung des Covers, sowie die Qualität der Geschichte doch in Ordnung!

Die Reise der letzten Schmetterlinge: © 2015 Ran Takahama, Ran Takahama/ Carlsen

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Ihr Name war Tomoji

Name: Ihr Name war Tomoji
Englischer Name:
Originaltitel: Tomoji
Herausgebracht: Japan: Futabasha 2014
Deutschland: Carlsen 2016
Mangaka: Szenaristin: Miwako Ogihara
Zeichnungen: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 16,90 €

Story
„Ihr Name war Tomoji“ beschreibt den Werdegang einer jungen Frau, welche einmal eine der wichtigsten, religiösen Führerinnen in Japan werden wird. Später auch bekannt unter dem Namen Shojou Shin`in, verschrieb sie sich den Lehren Buddhas und half den Menschen mit Rat und Tat.

Die Graphic Novel allerdings zeigt uns die jungen Jahre von Tomoji. Ihre Geburt, das Leben mit der Familie auf dem Land, aber auch die schweren Verluste, die sie erleiden musste. Darunter auch den Tod von Familienmitgliedern, den Weggang der Mutter, als sie noch jung war und auch die schwere Zeit während ihrer Ausbildung zur Schneiderin. Sie heiratet später ihren Cousin Fumaki, bekommt fünf Kinder und widmet sich zusammen mit ihrem 19 Jahre älteren Mann dem Spiritismus und der Lehren Buddhas.

Eigene Meinung
Es war interessant einen Einblick in das Leben dieser beeindruckenden Frau zu bekommen. Bei all den Verlusten und Entbehrungen blieb sie dennoch immer stark und ging ihren Weg. Ob es nun wirklich Liebe war die sie mit ihrem Cousin Fumaki verband ist schwer zu sagen, aber die Beiden waren sich gute Gefährten und schafften zusammen eine Glaubensgemeinschaft die noch heute in Japan hoch angesehen ist.

Die Zeichnungen waren wirklich sehr schön und detailreich, wenn auch eher ein wenig grob, aber passend zu der Geschichte, die erzählt wurde.

Zu textlastig war die Grafik Novel auch nicht, dennoch war das lesen ein wenig zäh, denn man sollte sich schon wirklich für solche Arten von Geschichten mit einem wahren Kern interessieren.

Eine Altersempfehlung gab es nicht, aber man sollte doch schon mindestens 12 Jahre alt sein, um das ganze Ausmaß der harten Jungendjahre von Tomoji zu verstehen und so nachvollziehen zu können wie sie zu der Frau wurde, die sie später dann war.

Für Fans von wahren Geschichten und die gern auch etwas dazu lernen ist die Graphic Novel sicher etwas. Wer allerdings eher seichte Unterhaltung bevorzugt sollte die Finger davon lassen!

Ihr Name war Tomoji: © 2014 Jiro Taniguchi, Miwako Ogihara, Carlsen

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Venedig

Name: Venedig
Englischer Name: Venice
Originaltitel: Venice
Herausgebracht: Frankreich: Editions Luios Vitton 2014
Deutschland: Carlsen 2017
Mangaka: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 29,90 €

Inhalt & Eigene Meinung
Ein Mann aus Japan reist nach Venedig. In dieser italienischen Stadt an der berühmten Lagune wurde fast 80 Jahres zuvor seine Mutter geboren. In ihrem Nachlass fand der Mann eine Box mit zahlreichen handbemalten Postkarten und anderen Erinnerungen an jene wenigen Jahren, in denen die kleine Familie in Venedig lebte. Nun wandelt der Sohn auf den Spuren ihrer Vergangenheit durch die Kanäle und Calle. Und er begibt sich auf Spurensuche nach seinem Großvater, einem Maler, der in der Lagunenstadt lebte und den er selbst nie kennengelernt hat. Und tatsächlich stößt der Suchende schnell auf die Spuren, die sein Großvater hinterließ: Gemälde, die er dem Wirt seiner Stammkneipe überließ, handgemalte Postkarten, eine Unterschrift im Gästebuch des Hotels oder Teile der Einrichtung einer Wohnung, in der er mal gelebt hat.

„Venedig“ ist Teil der Reihe „Louis Vitton Travel Books“, in denen Zeichner und Maler eine Stadt aus einem ihnen fernen Kulturkreis betrachten. Als eine Art grafisches Reisetagebuch bringen sie ihre Eindrücke in ihrem jeweils eigenen Stil zu Papier.

Welcher Mangaka könnte besser auf eine solche Reise mitnehmen, als der kürzlich verstorbene Jiro Taniguchi? Es sind nicht unbedingt die Stadtansichten Venedigs, die vielfach auch Postkartenmotive sein könnten. Denn alle Venezianer (und darüber hinaus viele Europäer) wissen: So leer wie auf diesen Ansichten ist die Stadt Venedig höchstens innerhalb der Wintermonate, wenn die Scharen an Touristen der Stadt den Rücken kehren und für einige Wochen Frieden einkehrt.

Taniguchi, der Meister der leisen Töne, schafft es nun mit seinem Werk, der Lagunenstadt diese Ruhe zurückzugeben. Gemächlich, fast ehrfürchtet streift der namenlose Mann durch die Stadt, verläuft sich, findet wieder den Weg und taucht tief ein in die Seele der Stadt.

Ob die Verbundenheit der Wasserstadt zum Bootsverkehr, die zahlreichen Kirchen, das jüdische Ghetto oder einfach der Blick aus einem Fenster über die Dächer der Stadt – sie alle kann der Lesende an der Seite und durch die Augen des japanischen Touristen sehen. Die vollfarbig abgedruckten Aquarellzeichnungen in Verbindung mit dem „Fotoalbum“-Querformat des Bandes untermalen die Grundruhe, die so typisch für die Werke dieses Mangaka ist. Hektik wird nur angedeutet, etwa durch ein riesiges Kreuzfahrtschiff in der Ferne.

Im Grunde hätte der Leser, abgesehen von ein paar erklärenden Worten am Anfang, überhaupt keine Texte gebraucht. Die Malereien sind selbsterklärend und in sich ruhend. Sie geben der Stadt Venedig ihre Würde zurück und wecken ironischerweise gleichzeitig die Lust eine Reise zu diesem kleinen Paradies zu unternehmen. Ein Paradies? Zumindest in Taniguchis Graphic Travel Book ist die Lagunenstadt nichts anderes. Und das ist vielleicht der größte Verdienst dieses Bands.

© Rockita

Venedig: © 2014:  Jiro Taniguchi  Editions Louis Vitton / Carlsen

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Reaktor 1F – Bericht aus Fukushima

Name: Reaktor 1F – Bericht aus Fukushima
Englischer Name:
Originaltitel: Kazuto Tatsuta
Herausgebracht: Japan: Kodansha 2014
Deutschland: Carlsen 2016
Mangaka: Kazuto Tatsuta
Bände: 3 Bände
Preis pro Band: 12,99 €

Story & Eigene Meinung
Seinen wahren Namen möchte Kazuto Tatsuta nicht nennen. Auch nicht den seiner Firma. Er möchte Ärger vermeiden, für sich und andere. Denn er arbeitet auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fukushima 1, das an jenem 11. März 2011 zum Symbol jener Dreifachkatastrophe wurde, die Japan tief erschütterte. Der Tsunami, der auf das Jahrhunderterdbeben folgte, war zu viel für die Atomweiler, gleich in mehreren Brennkammern kam es zum Super-GAU. Bis heute gibt se eine Sperrzone rund um das Kraftwerk, eine Fläche, in der niemand mehr leben kann. Dennoch kehren tagtäglich Männer auf das verstrahlte Gelände zurück. Sie sind als Aufräumarbeiter tätig. Tatsuta ist einer von ihnen.

In verschiedenen Episoden berichtet der etwa Vierzigjährige von seinen Erfahrungen auf dem Gelände von „1F“, wie Fukushima 1 im Ortsjargon genannt wird. Von der Arbeitssuche über Einstellungstests, Mitarbeitendenschulungen und dem komplexen System aus Firmen und Sub-Unternehmen wird auch das Umfeld der Tätigkeit beschrieben. Im Mittelpunkt steht aber die Arbeit im hochverstrahlten Gebiet. Da Tatsuta erst einige Zeit im Pausenbereich der Mitarbeitenden beschäftigt war, beleuchtet er die Abläufe vor Ort von zwei Seiten.

Es ist ein nüchtern-sachlicher Ton, in dem die Erzählungen meistens dargestellt sind. Immer wieder wird mit Gerüchten aufgeräumt, die in Japan insbesondere in der Anfangszeit der Aufräumarbeiten durch die Medien spukten. Nichtdestotrotz gibt es auch kritische Töne, Probleme der Arbeitnehmenden werden nicht ausgespart und auch Tatsutas früherer Chef, der Boss einer Sub-Unternehmens, bekommt dezent sein Fett weg.

Für den Außenstehenden, insbesondere den Europäer, sind es vor allem die scheinbaren Nebensächlichkeiten, die ins Auge fallen und nachdenklich machen, etwa, dass die Arbeiter bereits kontaminierte Schuhe immer wieder benutzen. Der Erzähler versucht dies etwas lapidar damit zu entschärfen, indem er berichtet, dass er sich bei zwei Paar Socken übereinander wohl keinen Fußpilz holen würde. Oder dass alles doppelt kontrolliert wird, aber die Arbeiter ihre Pausenverpflegung in normalen Taschen transportieren. Oder auch, dass die Strahlenbelastungsgrenze, die für jeden Arbeiter individuell und streng überwacht wird, jedes Frühjahr auf null zurückgefahren wird.

Es ist spannend und interessant die Geschichte dieser fast schon in Vergessenheit geratenen Arbeiter zu lesen. Die ruhigen, naturalistischen Zeichnung in Graphic Novel-Optik tragen zum Gefühl bei, ein einigermaßen realistisches Bild der Abläufe gezeigt zu bekommen.

© Rockita

Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima: © 2014  Kazuto Tatsuta  Kodansha/Carlsen

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Die Wächter des Louvre

Name: Die Wächter des Louvre
Englischer Name:  –
Originaltitel: Les Gardiens du Louvre
Herausgebracht: Frankreich: Futuropolis 2014
Deutschland: Carlsen 2015
Mangaka: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 29,90 €

Die Wächter des LouvreStory & Eigene Meinung
Jedes Jahr gibt der französische Verlag Futuropolis zusammen mit dem Pariser Museum Louvre einen Comic heraus, der sich mit dem Museum und seinen Exponaten beschäftigt.

Namhafte Zeichner aus dem In- und Ausland werden dafür herangezogen – eine win-win Situation für alle Beteiligten. Der Verlag hat eine hochwertige Reihe, die ihm mediale Aufmerksamkeit garantiert. Das Museum erreicht über die Comic-Schiene auch und gerade eine Zielgruppe, an die auf anderem Wege schwerer heranzukommen wäre. Und auswärtige Zeichner können sich international präsentieren und u.U. auch auf einem eher unbekannten Terrain versuchen.

2014 lud man mit Jiro Taniguchi einen der international renommiertesten künstlerischen Mangaka zu dieser Comic-Reihe ein. Taniguchi, dessen Werke hierzulande in der Regel in der Kategorie „Graphic Novel“ erscheinen, machte bereits mit diversen nachdenklich-philosophischen, atmosphärischen Geschichten von sich reden.

Nun darf sich der Mangaka im Louvre austoben. Und erneut schickt er mit einem namenlosen Durchschnitts-Japaner einen Protagonisten ins Rennen, der sich als Identifikationsfigur für den Standard-Tourist blendend eignet. Dem wird mit den Geistern, die in den Kunstwerken wohnen, praktischerweise eine fantastische Fremdenführung fernab der Menschenmassen zuteil. Aber nicht nur sie, sondern auch die Geister einiger Künstler und ehemaliger Angestellter gehören zu den „Wächtern des Louvre“, die dem Museum seinen besonderen Charme sichern und die Lust auf die dort ausgestellten Exponate wecken. Sie nehmen den japanischen Gast mit auf eine Reise durch Zeit und Kunststile. Wie immer bei Taniguchi geschieht das bedächtig, fast andächtig diesmal, getragen von der Würde der Ausstellungen.

Hierzulande erscheint das Werk, das erstmals in Frankreich publiziert wurde, als vollfarbiger Hardcover-Band in Übergroße zum stolzen Preis von rund 30 Euro. Es wäre zu wünschen, dass Carlsen irgendwann auch noch eine einfache (vollfarbige) Paperback-Ausgabe im normalen Comic-Format herausgibt.

© Rockita

Die Wächter des Louvre: © 2014 Jiro Taniguchi Futuropolis / Carlsen

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Frostfeuer

Name: Frostfeuer
Englischer Name:
Originaltitel: Frostfeuer
Herausgebracht: Deutschland: Splitter 2011
Mangaka: Romanvorlage: Kai Meyer
Story: Yann Krehl
Zeichnungen: Marie Sann
Bände: 3 Bände / 1 Sammelband
Preis pro Band: 13,80 € (Einzelbände)
19,80 € (Sammelband)

Frostfeuer Band 1Story
1893 ist in Sankt Petersburg der härteste Winter seit Menschengedenken. Im Schneetreiben sitzt Väterchen Frost auf einer Bank. Er wird von Tamsin Spellwell angesprochen. Sie berichtet ihm, dass ihr Vater bei dem Diebstahl des Herzzapfens der Schneekönigin gestorben ist. Nun ist sie auf der Suche nach jemandem, dem sie den Herzzapfen anvertrauen kann. Doch Väterchen Frost lehnt ab. Er schlägt ihr vor, den Herzzapfen zurückzugeben, da sonst die Schneekönigin ihre Kräfte nicht zurückerlangen kann und so die Kälte des Anbeginns nicht in Schach halten kann. Doch Tamsin will die Königin töten und so Rache für den Tod des Vaters nehmen.

Im Grandhotel Aurora ist die Schneekönigin eingezogen, um sich auf die Suche nach ihrem Herzzapfen zu machen. Im Hotel arbeitet ein junges Mädchen namens „Maus“. Sie wurde im Hotel geboren und hat es noch nie verlassen. Ihre Aufgabe ist es jede Nacht die Schuhe der Gäste zu putzen. Von den meisten Angestellten wird sie gemobbt. Als sie von den jungen Angestellten zum Spaß bei starken Schneetreiben vor die Tür gesetzt wird, ist es fast um sie geschehen. Im letzten Moment wird sie von Tamsin gefunden und ins Hotel zurückgebracht.

Frostfeuer Band 2Wenig später trifft Maus im Hotel auf die Schneekönigin. Bei ihr ist ein stummer Junge der Maus aus einer misslichen Lage hilft. Die Schneekönigin weiß, dass Maus Kontakt mit Tamsin hatte und fragt sie aus. Erst als das Mädchen ihr alles sagt, lässt sie sie gehen. Minuten später trifft Maus am Hoteleingang erneut auf Tamsin. Tamsin möchte, dass Maus für sie arbeitet. Diese Zusammenarbeit verändert plötzlich das Leben von Maus und macht es ungeheuer aufregend.

Eigene Meinung
„Frostfeuer“ ist genau das richtige Buch für heiße Sommertage oder Wintertage mit fehlendem Schnee. Das Thermometer sinkt spürbar um einige Grad im Raum beim aufschlagen des Buches. Man taucht ein in eine Welt aus Eis und Schnee. Marie Sann, die hierzulande durch zwei Veröffentlichungen bei Tokyopop bekannt ist, setzt die Geschichte zeichnerisch brillant um. Sie hat seit ihrem Manga „Krähen“ ihre Zeichnungen noch erheblich verbessert und verfeinert. Durch das große Format der Einzelbände (23,3 x 1 x 32,5 cm) kommen aber auch die Zeichnungen bestens zur Geltung. Übrigens ist der komplette Hardcover-Band durchgehend koloriert.

Nachdem die Geschichte in drei Einzelbänden umgesetzt wurde, erschien 2014 eine Gesamtausgabe mit der Bezeichnung „Book“. Die 160-seiten starke Ausgabe erscheint in einem handlicheren Format (17,5 x 2 x 24,5 cm) und kostet dadurch auch deutlich weniger. Außerdem enthält sie ein Making-Of und einen Schutzumschlag.

Frostfeuer: © 2011 Kai Meyer, Yann Krehl, Marie Sann, Splitter

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Von der Natur des Menschen

Name: Von der Natur des Menschen
Englischer Name:
Originaltitel: Keyaki no Ki
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 1993
Deutschland: Carlsen 2009
Mangaka: Story: Ryuichiro Utsumi
Zeichnungen: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 14,90 €
16,00 € (Nachdruck 2017)

Von der Natur des MenschenStory & Eigene Meinung
Jiro Taniguchi ist von dem deutschen Mangamarkt als Künstler nicht mehr wegzudenken, bewegen sich seine Werke doch fernab der üblichen Mangakultur. Sie steuern gegen den hektischen und schnellen Stil, legen eher Wert auf Stille und ruhige Themen und widmen sich zumeist dem Menschen und dem Zusammenleben in all ihren Facetten. Sein mit dem Autoren Ryuichiro Utsumi erschaffenes Werk „Von der Natur des Menschen“ bietet hierbei einen Einblick in die japanische Kultur und das Alltagsleben und zeigt in acht Kurzgeschichten verschiedene Szenarios des menschlichen Miteinanders. Dabei geht es vordergründig um die Schönheit des Lebens, sowie um den Respekt und die Würde des eigenen Lebens.

Die erste Geschichte („Der Keyaki-Baum“), die dem Manga seinen ursprünglichen Namen („Die kaukasische Ulme“) hätten geben sollen, handelt von dem neuen Haus der Haradas. Ein wunderschöner Keyaki, der dort im Garten des Anwesens wächst, bringt dem pensionierten Paar in ihrer neuen Bleibe nicht nur viel Freude, sondern auch Ärger mit den Nachbarn ein. Das viele Laub im Herbst, störe die übrigen Anwohner des kleinen Vorortes und den Haradas wird nahegelegt die Ulme fällen zu lassen, um den lästigen Blättern Einhalt zu gebieten. Doch die Haradas zögern, besonders als sie Besuch von dem vorherigen Besitzer des Hauses erhalten und dieser ihnen von der Schönheit und der Seele des Baumes berichtet…

Die weiteren Geschichten handeln mal von dem Lachen eines Kindes („Das weiße Holzpferd“), der Trennung eines Geschwisterpaares in frühster Kindheit und einem späteren Wiedersehen („Das Leben meines Bruders“), mal von der Liebe einer Großmutter zu einem Fremden und das Glück, das ein verständiges Herz mit sich bringt („An der Gemäldegalerie“). Die Geschichten sind dabei niemals kitschig oder übertrieben rührselig sondern immer zurückhaltend und dennoch effektvoll inszeniert Momente, die eher nachdenklich machen und den Leser mit auf eine Reise der zwischenmenschlichen Beziehungen nehmen. Dass die Episoden niemals ein wirkliches Ende oder gar eine Moral haben, die mit erhobenen Zeigefinger vermittelt wird, ist für Jiro Taniguchi selbstverständlich.

„Von der Natur des Menschen“ ist ein Kleinod, widmet sich der Identität des Individuums und den sensiblen Gefühlen der einzelnen Persönlichkeiten. Dabei sind diese Charaktere allesamt Menschen, wie man sie überall anzutreffen vermag- und jeder hat seine eigenen Probleme und Sorgen, die es zu entdecken gibt.

Dass Jiro Taniguchi dieses Mal nicht allein die menschliche Existenz erkundet, zeigt sich daran, dass er mit dem Autoren Ryuichiro Utsumi zusammengearbeitet hat. Dieser hat alle acht Kurzgeschichten geschrieben, der Künstler hat sich dieses Mal vollkommen auf die zeichnerische Umsetzung konzentriert. Diese sind wie nicht anders zu erwarten von außerordentlich hoher Qualität und in keinem Fall mit dem gängigen Manga zu vergleichen. Jedes Panel wirkt wie ein Kunstwerk für sich, jeder Hintergrund und jedes Detail der Häuser, Personen und der Natur ist unglaublich liebevoll in Szene gesetzt. Dass die Charaktere durch und durch realistisch gehalten sind und sich dementsprechend kaum mehr mit den üblichen Mangahelden vergleichen lassen, stört nicht weiter, sind doch die Alltagsgeschichten ebenso realistisch gehalten.

„Von der Natur des Menschen“ ist jedem Leser von ernsten und realistischen Werken zu empfehlen. Das Wort Manga sollte man generell bei Jiro Taniguchis Graphic Novels außen vorlassen. Dass der Band gespiegelt in Deutschland erschienen ist der einzige Wehrmutstropfen, den man bei diesem Bandes in Kauf nehmen muss. Doch die vielen Farbseiten zu Beginn der Novel und die schöne Aufmachung machen diesen Fehler wieder wett und damit „Von der Natur des Menschen“ zu einem äußert anspruchsvollen Werk, fernab der Mangas, die man ansonsten auf dem deutschen Markt findet…

© Koriko

Von der Natur des Menschen : © 1993 Jiro Taniguchi/ Ryuichiro Utsumi, Shogakukan Inc./ Carlsen

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Carlsen Winterprogramm 2015/2016

carlsenmanga-logoCarlsen hat heute das Winterprogramm 2015/2016 (Oktober 2015 bis März 2016) angekündigt:

Action

  • Naruto-Roman: Novel Jinraiden – Das Heulen des Wolfes – Einzelband im Oktober für 7,95 €
  • Anime-Comic zum dritten Naruto-Kinofilm Sondermission im Land des Mondes – 2 Bände ab März für je 7,95 €
  • Anime-Comic DRAGON BALL Z: BATTLE OF GODS – 2 Bände ab Dezember für je 7,95 €
  • Anime-Comic ONE PIECE: Der Fluch des heiligen Schwerts – 2 Bände ab Februar für je 7,95 €
  • KATSURA & TORIYAMA SHORT STORIES  von Akira Toriyama und Masakazu Katsura – Einzelband im Februar für 6,95 €
  • KILLING BITES von Kazuasa Sumita und Shinya Murata – 3+ Bände ab Januar für je 7,95 €
  • ATTACK ON TITAN Sammelschuber inkl. Band 6-10 mit Extra im Oktober für 36,00 €
  • ATTACK ON TITAN INSIDE von Hajime Isayama – Guide Book  im November für 12,90 €
  • ATTACK ON TITAN – THE HARSH MISTRESS OF THE CITY von Range Murata – Novel in 2 Bänden ab Januar für 9,95 €

Fantasy / Science-Fiction

  • DAS LIBERI-PROJEKT von Tamasaburo – 3 Bände (geplant) ab März für 6,95 €
  • ALICE IN MURDERLAND von Kaori Yuki – 3+ Bände ab Februar für 7,95 €

Comedy

  • SCHNEEBALLENS FALL von Inga Steinmetz – Einzelband (vollfarbig) im November für 12,00 €
  • KISS MY ASS von Takeshi Ohmi – 2 Bände ab Februar für je 7,95 €

Mystery

  • DOES YUKI GO TO HELL? von Hiro Fujiwara – 2+ Bände ab Februar für 6,95 €
  • SECRET von Yoshiki Tonogai – 3 Bände ab Dezember für 7,95 €

Romance

  • Rental Hearts von Sawaki Otonaka – 3+ Bände ab Februar für je 6,95 €

Boys Love

  • HOT DOG von Kazusa Takashima – Einzelband im Oktober für 7,95 €
  • WARUM BIST DU NUR SO HEISS? von Killy Hachida – Einzelband im Januar für 6,95 €
  • LUPUS IN FABULA von Kamineo – 3 Bände ab März für je 7,95 €

Zeichenkurse

  • HOW TO DRAW MANGA: Charaktere in Bewegung von Hikaru Hayashi im Dezember für 9,95 €
  • MANGA-ZEICHENSTUDIO: Grundlagen der Anatomie von Iwasaki Kotarou im März für 19,90 €

Graphic Novel

  • DIE WÄCHTER DES LOUVRE von Jiro Taniguchi – Einzelband im Oktober für 29,90 €
  • STILLE WASSER von Kan Takahama – Einzelband im Februar für 16,90 €

Quelle: Carlsen.de

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Träume von Glück

Name: Träume von Glück
Englischer Name:
Originaltitel: Inu Wo Kau
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 1992
Deutschland: Carlsen 2008
Mangaka: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 14,00 €

Träume von GlückStory
Ein junges Ehepaar ist frisch verheiratet. Gemeinsam erfüllen sie sich lang gehegte Wünsche: Ein Haus am Stadtrand, ein großer Garten und ein kleiner Hund, den sie Tamutamu nennen. Das Glück ist perfekt!

14 Jahre später ist noch fast alles wie früher. Nur „Tamu“, der kleine Hund von früher, ist mittlerweile alt und gebrechlich. Mit den Jahren hat er immer mehr von seiner früheren Beweglichkeit eingebüßt. Über verschiedene Methoden versuchen sein Herrchen und Frauchen ihrem heißgeliebten Hund das Leben zu erleichtern. Während die Versuche anfangs noch erfolgreich sind, wird nach und nach immer deutlicher, dass ihr Freund langsam, aber sicher, am Ende seines Lebens angelangt ist.

Als Tamu schließlich auch noch krank wird, ist es mit den ruhigen Nächten des Paares vorbei. Trotzdem dauert es noch Monate des dahin Vegetierens, bis der Hund durch den Tod von seinen Leiden erlöst wird. Durch die gemeinsame Sorge um den besten Freund haben aber die Ehepartner wieder zusammen gefunden. Doch es wird sehr lange dauern, bis sie seinen Tod verwunden haben werden.

Einige Zeit nach Tamus Tod kommt die Nachbarin Frau Miyamoto vorbei. In ihrer Eigenschaft als Mitglied des Tierschutzvereins versucht sie, ausgesetzte Tiere zu vermitteln. Das Ehepaar ist skeptisch. Eigentlich möchten sie kein Haustier mehr, um nicht noch einmal so einen Leidensweg wie bei Tamu miterleben zu müssen. Eines Tages steht Frau Miyamoto jedoch mit einer einjährigen Perserkatze vor der Tür, die niemand haben möchte. Eigentlich möchte sich die junge Ehefrau auch diesmal nichts aufschwatzen lassen. Als sie von dem schrecklichen Schicksal des Tieres hört, nimmt sie die Katze schließlich doch in ihrem Haus auf.

Bald stellt sich jedoch heraus, dass Boro, so der neue Name des Tieres, schwanger war. Nach wenigen Wochen kommt sie mit drei hübschen kleinen Kätzchen nieder. Da ihnen die Arbeit über den Kopf zu wachsen droht, beschließt das Pärchen, zwei der Kleinen an Interessierte zu vermitteln. Laut Frau Miyamoto angeblich gar kein Problem. Doch schon nach dem Verschwinden eines ihrer Jungen zeigt sich, dass Boro sehr wohl deren Fehlen bemerkt und seelisch dadurch sehr erschüttert ist…

Außerdem ist da noch die ältere Nachbarin mit dem alten, gebrechlichen Hund, dessen Leidensweg das Ehepaar stark an Tamus erinnert. Ein Abschließen im Kopf scheint unmöglich…

Eigene Meinung
„Träume von Glück“ ist eine Sammlung von fünf Kurzgeschichten von Jiro Taniguchi. Während die ersten vier Geschichten inhaltlich aufeinander aufbauen und die selben Charaktere beinhaltet, erzählt die letzte Story eine ganz und gar andere Handlung, die aber noch am ehesten zum Titel des Gesamtbandes passt.

In den ersten Geschichten steht das Leben eines Ehepaars mit Tieren im Mittelpunkt. Das namenlose Ehepaar steht stellvertretend für alle anderen in der gleichen Situation.
Im Anschluss daran zeugt eine geradezu fantastische Geschichte um Träume, Freiheit und Lebensgefühl davon, dass man sein Ziel auch noch erreichen kann, wenn man es aus den Augen verloren hat. Während die vorigen Handlungen realistisch und alltäglich sein, wirkt die Thematik de Bergsteigens etwas deplatziert, ist aber eine gelungene Abwechslung.

Die deutsche Version wurde von Carlsen als „Graphic Novel“ in größerem Format herausgebracht und enthält spärlich colorierte Farbseiten. Mit 14 € ist der Band dafür allerdings auch ausgesprochen teuer.

Tierbesitzern oder solchen, die es noch werden wollen, kann ich dieses Werk nicht empfehlen. Gerade das erste Kapitel rund um Tamus letzten Monate zeigt den Zerfall eines geliebten Freundes so anschaulich und gefühlvoll, dass man sich nach der Lektüre fragt, ob Sterbehilfe nicht die passendere Antwort gewesen wäre.

© Rockita

Träume von Glück: © 1992 Jiro Taniguchi, Shogakukan / Carlsen

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PIL

Name: PIL
Englischer Name:
Originaltitel: PIL
Herausgebracht: Japan: Shueisha 2011
Deutschland: Carlsen 2014
Mangaka: Mari Yamazaki
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 16,90 €

PILStory
Das Leben der jungen Nanami ist nicht leicht – während ihre Mutter im Ausland arbeitet, lebt sie mit ihrem Großvater zusammen, der leider immer wieder das Haushaltsgeld verwettet oder es für unnötige Dinge ausgibt. Dabei bleibt Nanamis Traum einmal London zu besuchen und die britischen Punkbands live zu sehen unerreichbar du sie muss immer wieder die Verantwortung für die Taten ihres Großvaters übernehmen. Dennoch beschließt sie, ihr Leben radikal zu ändern und gegen die üblichen Konventionen zu rebellieren, als sie sich die Haare abrasiert und ihren Kleidungsstil ihren Vorbildern anpasst. Für ihren Großvater ist dies zunächst ein Schock, doch er erweist sich als überraschend verständnisvoll, auch wenn er hin und wieder Probleme mit Nanamis Entscheidungen hat. Mit der Zeit nähern sich die beiden wieder einander an und erkennen, dass sie gar nicht so verschieden sind …

Eigene Meinung
Der japanische Comic „PIL“ tammt von Mari Yamazaki, erschien beim Carlsen Verlag unter dem Label „Graphic Novel“ und kommt in einem größeren Format, mit hochwertiger Klappenbroschur und in westlicher Leserichtung daher. Neben zwei Farbseiten, die die originalen, japanische Cover zeigen, enthält „PIL“ noch ein sehr eindringliches Vorwort von Jiro Taneguchi, der sich für Graphic Novels wie „Der Gourmet: Von der Kunst allein zu genießen“, „Vertraute Fremde“ und „Der spazierende Mann“ verantwortlich zeigt, sowie ein gelungenes Nachwort der Autorin, die auf einige autobiografische Züge mit Nanami hinweist.

Die Geschichte ist sehr ruhig, gefühlvoll und realistisch – es ist eine typische Alltagsgeschichte, in der er zum einen um die Träume eines jungen Mädchens geht, die von der Punk-Kultur der 80er Jahre begeistert ist und am liebsten nach London möchte, zum anderen um den Generationskonflikt zwischen Nanami und ihrem Großvater. Letzteres birgt nur bedingt Konfliktpotenzial, da der alte Mann selbst in London lebte und ebenfalls eine rebellische Ader hat, die sich in seiner Vorliebe für Wetten zeigt. So fehlen der Geschichte zwar die Höhepunkte und Spannungskurve, doch Mari Yamazaki legt auch keinen Wert auf eine actionhaltige Geschichte oder große Geheimnisse. Stattdessen konzentriert sie sich darauf authentische Charaktere zu erschaffen, ebenso auf eine realistische und sensible Aufarbeitung des Themas. Wirkliche Längen gibt es nicht, da die Beziehung zwischen Nanami und ihrem Großvater und die Probleme, gegen dich sie Nanami in jungen Jahren stellen muss, sehr eindringlich erzählt werden. Man taucht problemlos in die beginnenden 80er Jahre ein, kann sich sowohl mit Nanami, als auch mit dem alten Mann identifizieren und begleitet die beiden Charaktere gerne ein Stück in ihrem Leben.

Passend zum Inhalt von „PIL“ verzichtet Mari Yamazaki auf übertriebene, mangahafte Bilder und präsentiert eher einen schlichten, realistisch anmutenden Stil. Zwar sind ihre Zeichnungen nicht so detailverliebt und eindringlich wie man es von Jiro Taneguchi kennt, dennoch hat die Zeichnerin eine sehr schönen, interessanten Stil, der perfekt zu den Figuren und ihren Problemen passt.

Alles in allem ist „PIL“ ein gelungenes Werk, das vor allem durch eine sensible Geschichte, authentische Charaktere und einen sehr feinen, schlichten Stil besticht. Mari Yamazaki lässt die 80er Jahre aufleben, greift mit der englischen Punk-Kultur ein ungewöhnliches Thema auf und verpackt das Ganze glaubwürdig und tiefgründig. Wer ungewöhnliche Geschichten und greifbare Charaktere mag, sollte sich „PIL“ nicht entgehen lassen – die Graphic Novel lohnt sich.

PIL: © 2011 Mari Yamazaki, Carlsen / Shueisha

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