Bis deine Knochen verrotten

Name: Bis deine Knochen verrotten
Englischer Name: Until your bones rot
Originaltitel: Hone ga kusaru made
Herausgebracht: Japan: Kodansha 2016
Deutschland: altraverse 2018
Mangaka: Yae Utsumi
Bände: 7 Bände
Preis pro Band: 7,00 €

Story
Der attraktive Schülersprecher Akira, die Überfliegerin Tsubaki, der draufgängerische Ryu, die aufreizende Haruka und der unauffällige Shintaro könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch die Fünf teilen ein Geheimnis: Vor fünf Jahren wurde Shintaros Vater gewalttätig gegen seinen Sohn. Shintaros Freunde schritten ein und töteten dabei den Vater. Aus Angst vor Strafen vergruben die Kinder den Leichnam an einer abgelegenen Stelle in der Nähe eines Heiligtums und schworen einen Pakt, ihr dunkles Geheimnis zu wahren. Als Erinnerung dessen nahm jeder von ihnen ein Fingerknöchelchen mit. Seither treffen sich die Freunde jedes Jahr, um sich zu vergewissern, dass die Leiche noch da ist und um mit einem Ritual ihren Schwur zu erneuern.

Inzwischen besucht die Clique die Oberschule. An ihrem Treueschwur zueinander hat sich nichts geändert. Dann aber geschieht etwas Unerwartetes. Die Jugendlichen werden gezwungen, die Leiche zu verlegen. Doch just an diesem Tag sind die Gebeine verschwunden. Im leeren Grab findet sich nur noch ein Handy, das auch noch unvermittelt klingelt. Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung weiß nicht nur ganz genau, mit wem er verbunden ist, sondern auch, was die Fünf getan haben. Er hat die Leiche gestohlen, um Akira und seine Freunde damit zu erpressen. Nur, wenn sie bei der Beseitigung einer anderen Leiche helfen, will der Anrufer dicht halten. Tatsächlich lassen sich die Schüler auf die Sache ein. Doch das ist längst nicht das letzte schockierende Ereignis.

Wie kam der seltsame Schriftzug mit einer Warnung in Shintaros Schul-Jahrbuch? Und was für Geheimnisse verbergen die Freunde auch voreinander?

Eigene Meinung
„ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ lässt grüßen. Der Aufhänger von „Bis deine Knochen verrotten“ ist nahe dran: Eine Gruppe junger Menschen tötet einen Mann und schwört sich, das Geheimnis zu wahren. Das geht eine Zeit lang gut, aber dann holt sie die Vergangenheit ein. Mit den Unterschieden, dass der im Manga Getötete auch wirklich tot ist. Und dass die fünf Kids den Mord bewusst begingen und vertuschten. Daran lässt sich schon merken, dass der Manga zwar spannend geschrieben und auch dramatisch ist, aber auch gleichzeitig von Logikfehlern behaftet ist. Selbst als Oberschüler fürchten die Protagonisten noch, für den Mord ins Gefängnis zu kommen, schrecken gar vor Leichenbeseitigung nicht zurück. Dabei waren sie damals noch gar nicht strafmündig. Und überhaupt hatte der Tod des Vaters offenbar überhaupt keine Auswirkungen auf Shintaro. Im Grunde beschränkt sich die Handlung im Wesentlichen auf die fünf Freunde und ihre Beziehung zueinander.
Optisch geschieht das in klassischer Weise, in einem Zeichenstil, der vor allem durch die Verwendung feiner Linien und Schraffuren besticht. Auffällig an der deutschen Fassung ist, dass diese sehr eingedeutscht wurde. Selbst Wörter, die hierzulande mittlerweile eigentlich bekannt sind, wie „Yukata“, werden durch deutsche Begriffe ersetzt. Offenbar wollte man komplett auf Fußnoten verzichten.

Wie einst Tokyopop macht nun auch Altraverse gleich von Anfang an klar Schiff und weist die Richtung der Preisentwicklung. Sieben Euro muss man für die Bände der Reihe auf den Tisch legen, obwohl es weder Farbseiten oder andere Besonderheiten gibt und der Band eher weniger Seiten als der durchschnittliche Manga-Band hat. Darüber kann man sich ärgern, sollte sich aber nicht vom Kauf dieser insgesamt ansprechenden Serie abschrecken lassen.

© Rockita

Bis deine Knochen verrotten: © 2016 Yoe Utsumi  Kodansha / altraverse

 

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Chiisakobee

Name: Chiisakobee
Englischer Name:
Originaltitel: Chiisakobee
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 2013
Deutschland: Carlsen 2018
Mangaka: Manga: Minetaro Mochizuki
Roman-Vorlage: Shûgorô Yamamoto
Bände: 4 Bände
Preis pro Band: 14,90 €

Story
Der kauzige Shigeji ist Architekt von Beruf. Das Studium hat ihm viel Freude bereitet und eigentlich sieht er in der Planung von Bau- und Kunstwerken seinen Lebensinhalt. Dann aber verfügt sein Vater, ein Zimmermannsmeister, dass sein Sohn mit den Flausen aufhören und endlich einen „richtigen Beruf“ ausüben soll. Pflichtbewusst tritt Shigeji als Juniormeister in das elterliche Unternehmen, die Zimmerei „Daitome“, ein. Nur kurze Zeit später kommen seine Eltern bei einem Brand ums Leben und Shigeji erbt von heute auf Morgen ein mittelständisches Unternehmen mit Investitionsstau.

Wiederum aus Pflichtgefühl gegenüber den Angestellten, aber auch aus persönlichem Ehrgeiz heraus, beschließt der 29-jährige neue Chef, die Zimmerei aus eigener Kraft wiederaufzubauen. Er macht es sich zum Grundsatz, keinerlei Hilfe anzunehmen, die ihm angeboten wird, Kurzerhand quartiert er zwei obdachlos gewordene Lehrlinge in seinem eigenen Haus ein und lässt über seinen Vorarbeiter eine Haushälterin einstellen, die sich um die Versorgung der WG kümmern soll.

Nie hätte Shigeji damit gerechnet, dass ausgerechnet Ritsu, die er noch von früher kennt, diese Rolle einnehmen würde. Die aufmüpfige 20-jährige kann zwar gut kochen, hat aber auch ihren eigenen Kopf. Und so beschließt sie aus dem Bauch heraus fünf Waisenkinder im Haus aufzunehmen. Dabei besitzt sie weder eine Erzieherausbildung noch eine andere pädagogische Qualifikation. Den Behörden bleibt das nicht unbemerkt. Als das Vorhaben zu scheitern droht, bietet sich ausgerechnet Yuko an, die Tochter eines Bankers aus der Nachbarschaft und gelernte Erzieherin, Ritsu bei der Kinderbetreuung zu unterstützten. Shigejis Begeisterung hält sich in Grenzen, denn auch Yuko ist eine alte Bekannte… Und hat er nicht schon genug Probleme?

Eigene Meinung
Mit „Chiisakobee“ verleiht Mangaka Minetaro Mochizuki dem gleichnamigen Roman von Shûgorô Yamamoto ein neues, moderneres Gewand. Die Handlung ist im Grunde genommen zeitlos und typisch japanisch. Nach einem Schicksalsschlag stellt der brav-treue Sohnemann seine persönlichen Interessen hintan, um der Firma und dem Andenken an seinen Vater gerecht zu werden. Dass das Ziel sein muss, das Familienunternehmen nicht nur wiederaufzubauen, sondern mindestens so groß zu machen wie zu Glanzzeiten versteht sich da ebenso von selbst, wie die Vorgabe, alles alleine zu schaffen. Dann aber treten nacheinander Menschen in das Leben des zotteligen Protagonisten, gegen deren Charme er sich ebenso wenig erwehren kann, wie gegen die raue Wirklichkeit.

„Dragon Head“-Mangaka Mochizuki setzt den Protagonisten mit schwarzer Löwenmähne, Wikingerbart und Sonnenbrille als Hippie-Alternativo in Szene, der aber in seinen traditionellen Ansichten dem damit hierzulande assoziierten Habitus genau gegenüber steht. Daran merkt man, dass alles seine Grenzen hat. Die Romanvorlage stammt immerhin schon aus den 1950er-Jahren. Damals dürften die Charaktere insgesamt als wesentlich spezieller wahrgenommen worden sein, als in heutiger Zeit. Das gilt auch für die Frauen der Handlung: Ritsu, die weder Ausbildung noch Zuhause hat und trotzdem immer wieder die Grenzen ihres Arbeitsverhältnisses überschreitet, und Yuko, die ihrem Vater in den Rücken fällt, um Shigeji in eine Lage zu bringen, in der er ihre Unterstützung nicht zurückweisen kann.

Sowohl optisch, als auch vom Stil her wird die Stimmung früherer Zeiten durch die Bilder übertragen. Daran ändern auch die Smartphones nichts. Die Story wirkt bieder, die romantischen Annäherungen zurückhaltend, das Geschäftsgebaren überholt, wie aus einer lang vergessenen Zeit, in der es noch um solides Handwerk ging und nicht um Gewinnmaximierung. Wem es gefällt, einmal in diese entschleunigte Welt einzutauchen, dem sei die vierbändige Serie ans Herz gelegt.

© Rockita

Chisakobee: © 2013  Minetaro Mochizuki / Shûgorô Yamamoto  Shogakukan / Carlsen

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Requiem of the Rose King

Name: Requiem of the Rose King
Englischer Name:
Originaltitel: Bara-ô no sôretsu
Herausgebracht: Japan: Tohan Corporation 2014
Deutschland: Carlsen 2018
Mangaka: Aya Kanno
Bände: 9 Bände, wird fortgesetzt
Preis pro Band: 9,99 €

Story
Im 15. Jahrhundert führen die Herzogshäuser York und Lancaster in den „Rosenkriegen“ einen erbitterten Kampf um den englischen Thron. Das Haus York („Weiße Rose“) bestreitet darin die Legitimität des amtierenden Königs Henry VI. aus dem Hause Lancaster („Rote Rose“).

Richard ist der dritte Sohn des Herzogs von York. Gerne würde er wie sein ältester Bruder an der Seite des Vaters ins Feld ziehen, um die Krone zu erobern. Doch Richard ist nicht nur jung, sondern auch intersexuell und damit von Geburt an missgestaltet, weswegen er zu seinem Frust immer wieder zurückstecken muss. Einige bezeichnen ihn als „Kind des Teufels“ und Unglücksbringer. Darüber hinaus plagen ihn Visionen einer jungen Frau namens Jeanne, die eigentlich schon vor langer Zeit auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Die Lage ändert sich, als Richard, zusammen mit seiner Mutter und einem seiner Brüder vom Sohn des Königs gefangengenommen wird. Zwar gelingt es ihm unbemerkt durch einen Geheimgang nach draußen zu gelangen, doch seiner Familie bleibt dieser Weg versperrt. Auf der Suche nach Hilfe begegnet Richard einem Mann namens Henry, der sich als Schäfer ausgibt. In Henry findet Richard erstmals jemanden, der ihn nicht nur vorbehaltlos in seiner Andersheit akzeptiert, sondern ihm auch Seelenverwandter wird. Wer ist jener „Henry“ wirklich? Wird es Richards Familie gelingen, den Thron für sich zu erkämpfen? Und was wird die Rolle von Richard selbst sein?

Eigene Meinung
William Shakespeares Dramen „Henry VI.“ und „Richard III.“ zählen bis heute zu seinen beliebtesten Werken und waren auch noch Jahrhunderte später maßgeblich für das Image der Titelpersonen in der Öffentlichkeit. Schon der alte Meister hatte gemerkt, dass die englischen Rosenkriege des 15. Jahrhunderts alles bieten, was eine Story braucht, um erfolgreich als Unterhaltungsmedium aufbereitet zu werden. Die Faszination des Stoffs ist bis heute ungebrochen, daher wundert es nicht, dass auch der Manga-Markt zunehmend die In Japan weniger bekannten Werke Shakespeares für sich entdeckt. Heraus kommt ein düsteres Fantasy-Epos, das vom Stil etwas an die früheren Werke von Kaori Yuki erinnert, mit Shakespeares Werken aber zu tun hat. Historische Genauigkeit darf man ebenfalls nicht erwarten, man vermisst sie aber auch nicht bzw. braucht auch keine Hintergrundinformationen, da sich der Spannungsbogen auch so erhält.

Die surreal anmutenden Bildkompositionen mit überwiegend spärlichen Hintergründen, aber umso mehr Licht- und Schattenspielereien erzeugen eine melancholisch-trübe Grundstimmung, an der Shakespeare sich erfreut hätte und die auch die Fans dieser Art von Manga optisch bestens bedient. Die Rollen sind klassisch verteilt: Der schwarzhaarige Außenseiter Richard, der seine Familie mit allen Mitteln an die Macht bringen will auf der einen und sein liebevoller Vater, die treuen Brüder und der fromme Henry, alle blond, auf der hellen Seite. Die Intersexualität Richards ist eine interessante Interpretation der immer wieder betonten Missgestaltung des Herzogssohns. Es wird spannend, wie die begonnenen Handlungsstränge noch miteinander verwoben werden.

© Rockita

Requiem of the Rose King: © 2014  Aya Kanno  Tohan Corp. / Carlsen

 

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5 Seconds to Death

Name: 5 Seconds to Death
Englischer Name:
Originaltitel: Deatte 5byo de Battle
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 2016
Deutschland: EMA 2018
Mangaka: Story: Saizou Harawata
Zeichnungen: Miyako Kashiwa
Bände: 7 Bände, wird fortgesetzt
Preis pro Band: 7,50 €

Story
Der Zehntklässler Akira Shiroyanagi ist zwar ein Musterschüler, aber auch ein ganz schöner Eigenbrötler. Die meiste Zeit verbringt er damit, diverse Games zu zocken. Insbesondere das Online-Strategiespiel „World Logic Place“ hat es ihm angetan. Daneben muss selbst die Schule zurückstehen.

Eines Tages ändert sich alles, als wie aus dem Nichts ein vermummter Muskelmann erscheint und die Jagd auf Akira eröffnet. Der sieht zwar die Gefahr, fühlt sich aber sogleich in eines seiner geliebten Survival-Games katapultiert und handelt dementsprechend. So gelingt es ihm, den feindlichen Hünen auszuschalten. Dann aber taucht ein merkwürdiges Mädchen auf, das ihm unvermittelt in den Bauch schießt.

Zu Akiras größter Überraschung ist sein Leben aber dadurch nicht vorbei. Zusammen mit vielen anderen scheinbar „toten“ Menschen verschiedenen Alters und mit Handschellen gefesselt findet er sich in einem unbekannten Testkomplex wieder. Dort wird dem Oberschüler und seinen Leidensgenossen offenbart, dass sie unfreiwillig als Testpersonen für eine wissenschaftliche Studie ausgewählt wurden. Jedem und jeder von ihnen wurde dafür eine besondere Fähigkeit verliehen. Nun sollen sie sich mit dieser Gabe vertraut machen, um dann in Kämpfen gegeneinander anzutreten. Widerstand? Keine Chance.

In Ermangelung von Alternativen beugt sich auch Akira den restriktiven Forderungen der seltsamen Organisation, in deren Hände er gefallen ist. Die Fähigkeit, die er erhalten hat, stellt ihn aber vor Herausforderungen: Er hat genau die Kraft, die ihm sein Gegenüber zuschreibt. Wie soll er so eine Fähigkeit trainieren? Aber die Zeit läuft, denn bald schon heißt es: „ Noch 5 Sekunden bis zum Kampf“…

Eigene Meinung
Manga, in denen eine scheinbar bunt zusammengewürfelte Gruppe Menschen in die Fänge unbekannter Mächte gerät und um ihr Leben kämpfen muss, gibt es mittlerweile einige, auch hierzulande. Während bei Serie wie „Doubt“ oder „Secret“ die inneren Werte im Vordergrund stehen, sind es bei „5 Seconds to Death“ von Saizou Harawata (Autor) die fantastischen Fähigkeiten der Personen. Überhaupt hat man den Eindruck, dass hier versucht wurde, den Mind-Battle-Manga, der eher ältere Leser anspricht, für ein jüngeres Publikum tauglich zu machen. Die Mehrzahl der Charaktere ist im Highschool-Alter, es gibt mehr Fantasy-Elemente, mehr Kämpfe und immer wieder Panels, die komisch wirken sollen. Und überhaupt kommt die Serie betont jugendfrei daher. Der Titel der deutschsprachigen Veröffentlichung irritiert da schon ein wenig. Bei „5 Sekunden bis zum Tod“ erwartet man eher martialische Schlachten. Tatsächlich sind die Gefechte betont unblutig. Lediglich in zwei Szenen sieht man überhaupt echte Gewaltdarstellungen und auch dabei geht es vergleichsweise klinisch sauber zu. Des Rätsels Lösung bietet der weit treffendere Originaltitel, in dem statt des Wortes „Death“ noch „Battle“ steht.

Zeichner Miyako Kashiwa, der auch schon „Testament of Sister New Devil“ illustrierte, setzt die Handlung im klassischen Shonen-Stil, ohne Schnörkel, in Szene. Die Story entwickelt sich aber nur langsam. Der Autor will einiges erreichen und eröffnet zahlreiche Fragen und Nebenschauplätze, auch mit den Charakteren und ihren verschiedenen Hintergründen. Ob er sich damit nicht verheddert, wird sich erst im Laufe der Reihe zeigen.

© Rockita

5 Seconds to Death: © 2016  Saizou Harawata / Miyako Kashiwa  Shogakukan / EMA

 

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Triage X Comic Anthology TRIBUTE X

Name: Triage X Comic Anthology TRIBUTE X
Englischer Name: Triage X Comic Anthology TRIBUTE X
Originaltitel: Triage X Comic Anthology TRIBUTE X
Herausgebracht: Japan: Kadokawa Corp. 2015
Deutschland: Carlsen 2018
Mangaka: Storys: Shouji Sato, D.P, Hiroki Obara, Sakaki Yoshioka, Masumi Futaba, Akinari Nao, Sutaro Hanao, Ryu Miyao, Sanshoku Amido, Kenji Sugawara, Tsuyoshi Watanabe, Endo, Makusu, Hiromitsu Takeda, Yoshimi Sato, Daisuke Yui, Masaharu Takano
Illustrationen: Erect Sawaru, Yushiaki Katsurai, Sora Inoue, Milan Matra
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 7,95 €

Inhalt & Eigene Meinung
„Triage X“, die Serie um die mysteriöse Organisation „Black Label“ und ihre gut gebauten Mitarbeiterinnen, ist auch hierzulande erfolgreich. Nachdem die Anime-Serie erfolgreich im deutschen TV läuft, legt nun der Carlsen-Verlag nach und bringt mit „TRIBUTE X“ eine Anthologie zur Reihe heraus. Die ist in Japan bereits 2015 erschienen und beinhaltet 27 Geschichten sowie vier Artworks aus dem „Triage X“-Universum. An die 30 mehr oder minder namhafte Mangaka haben sich ihre Gedanken zur Serie gemacht und diesen Ausdruck verliehen. Mit den meisten Namen dürften hiesige Lesende wenig anfangen können. Lediglich Sora Inoue (u.a. „Mai Ball – Fußball ist sexy“) kann schon auf diverse Veröffentlichungen im deutschsprachigen Bereich blicken.

Inhaltlich sollte man sich keine Hoffnungen machen: Bei der Original-Serie war die Story schon mehr das Beiwerk, um die Charaktere in Szene zu setzen und deren körperlichen Reize anschaulich zur Geltung zu bringen. In den Kurz- und Kürzestgeschichten dieses Bands mit einer maximalen Länge von zehn Seiten sieht das nicht anders aus. Eigentlich geht es nur um Höschen, sexy Outfits, pralle Hintern und vor allem um Möpse. Vor allem Badesituationen werden daher von mehreren Autoren aufgegriffen. Der Witzfaktor der holden Nacktheit ist allerdings rasch aufgebraucht. Am lesenswertesten sind noch die Vier-Panel-Strips von Masumi Futaba..

Carlsen bringt den Band als Klappenbroschur mit zwei Farbseiten heraus. Zurecht gibt es die Anthologie im Laden nur eingeschweißt: Manch eine Zeichnung kratzt ganz schön an der Grenze zur Jugendfreigabe, insbesondere die Illustration des Zeichners mit dem vielsagenden Künstlernamen Erect Sawaru.

Vielleicht hätte man anstatt einer Anthologie besser gleich ein Artbook mit Illustrationen verschiedener Künstler zur Serie herausbringen können. Das hätte den optischen Ansprüchen der Zielgruppe genügt.

© Rockita

Triage X Comic Anthology TRIBUTE X: © 2015  Shouji Sato, D.P, Hiroki Obara, Sakaki Yoshioka, Masumi Futaba, Akinari Nao, Sutaro Hanao, Ryu Miyao, Sanshoku Amido, Kenji Sugawara, Tsuyoshi Watanabe, Endo, Makusu, Hiromitsu Takeda, Yoshimi Sato, Daisuke Yui, Masaharu Takano, Erect Sawaru, Yushiaki Katsurai, Sora Inoue, Milan Matra  Kadokawa Corp. / Carlsen

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Korosensei Quest!

Name: Korosensei Quest!
Englischer Name: Koro Sensei Quest!
Originaltitel: Koro-sensei Q!
Herausgebracht: Japan: Shueisha 2016
Deutschland: Carlsen 2018
Mangaka: Story: Kizuku Watanabe
Original-Story: Yusei Matsui
Bände: 3 Bände, wird fortgesetzt
Preis pro Band: 5,99 €

Story
Unfassbar, was der Klasse 9E der Kunugigaoka-Zauberschule widerfährt: Eines Tages steht der Teufel persönlich vor der Tür und verlangt, die Klasse unterrichten zu dürfen. Im Gegenzug sollen die Schüler versuchen ihn zu vernichten. Klingt nach einem Deal, gäbe es nicht das Problem, dass die 9E eine Ansammlung von unbeholfenen und ungeschickten Nachwuchshelden ist. Zaubersprüche entfalten nicht die gewünschte Wirkung, aufgrund ihres niedrigen Levels haben sie nur einfachste Waffen und noch dazu machen ihnen Bugs das Leben schwer. Dementsprechend werden die Schülerinnen und Schüler von ihren Kameraden im Rest der Schule gemieden oder sogar gemobbt.

Nun soll die Wende kommen, denn der Teufel, der flugs „Korosensei“ getauft wird, hat etwas bemerkt: Die Bugs, die die Schüler der 9E haben, können von diesen zum eigenen Vorteil genutzt werden können. Zunächst sind die Jung-Magier und Krieger skeptisch, dann aber entdecken sie, dass sie wirklich etwas bewegen können. Noch dazu sind der Unterricht mit Korosens und die vielen abenteuerlichen Klassenausflüge Gold wert.

Aber sind sie wirklich in der Lage, ihre Schwäche zu überwinden und Korosensei zu töten? Und außerdem: Handelt es sich beim Teufel wirklich um ein atomgelbes Tentakelmonster, das mit Mach 99999 durch die Lande rast?

Eigene Meinung
Kaum ist die Hauptserie „Assassination Classroom“ abgeschlossen, wurde in Japan schon mit dem nächsten Franchise der Serie um das Alien Koro-sensei begonnen. Wie inzwischen beim Shueisha-Verlag recht üblich, beauftragte man statt des Schöpfers der Original-Serie andere Mangaka mit der Umsetzung, in diesem Fall das Duo Kizuku Watanabe (Story) und Jo Aoto (Zeichnungen). Gerade der noch unbekannte Aoto macht dabei einen guten Job, bleibt nah an Yusei Matsuis Zeichenstil. Vor allem seine Darstellungen von Gesichtern bleiben im Gedächtnis.

Inhaltlich aber enttäuscht die Serie. Das fängt schon damit an, dass die Grundstruktur der Original-Serie 1:1 ins Fantasy-Genre übertragen wurde, was nicht selten hinkt. Die schlechteste Klasse einer Zauberschule – auf der aber auch Schwertkampf unterrichtet wird – soll den Teufel töten, während dieser die Schüler unterrichtet. Das ist aber alles andere als einfach, denn der Teufel Korosensei verfügt über unfassbare Fähigkeiten. Natürlich tauchen auch die bekannten Gesichter Karasuma (hier: Schwertmeister) und Irina (hier: heiße Hexe) auf.

Es findet sich zwar über die Kapitel hinweg immer mal wieder eine nette Fantasy-Rahmenstory, das kann Watanabe, der auch schon Grimms Manga adaptiert hat. Die Grundmuster bleiben aber dieselben wie bei „Assassination Classroom“, manche Gags erfahren zudem eine derartige Abnutzung, dass sie bereits am Ende des ersten Bandes nur noch schwer zu ertragen sind.

Das ganze aktuelle Konzept in Japan, erfolgreiche Serien bis aufs Blut auszureizen, ist dringend zu hinterfragen. Zumindest den ersten Band dieses Quasi-Spin-Offs werden sich die meisten Fans der Original-Serie nicht entgehen lassen, weil sie mehr von der Klasse 9e (im Original noch: 3-E) lesen wollen. Und ein eingefleischter Fan wird man auch sein müssen, um der Serie etwas abgewinnen zu können..

© Rockita

Korosensei Quest: © 2016 Yusei Matsui/Kizuku Watanabe/Jo Aoto  Shueisha / Carlsen

 

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Vertraute Fremde

Name: Vertraute Fremde
Englischer Name:
Originaltitel: Haruka na machi e
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 2005
Deutschland: Carlsen 2007
Mangaka: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 19,90 €

Story
Der Architekt Hiroshi Nakahara staunt nicht schlecht: Auf dem Heimweg von einer Geschäftsreise nach einer durchzechten Nacht nicht aufgepasst, schon sitzt er versehentlich im falschen Zug. Der fährt nicht etwa zurück nach Tokyo, sondern in seine Heimatstadt Kurayoshi. Um die Zeit bis zum nächsten Schnellzug in die Hauptstadt zu überbrücken, entschließt er sich kurzerhand spontan zu einem Besuch am Grab seiner Mutter. Während er dort betet, wird er plötzlich ohnmächtig – und erwacht in seinem jüngeren Ich als 14-jähriger Mittelschüler! Schnell muss er feststellen, dass nicht nur sein Körper geschrumpft, sondern er auch durch die Zeit gereist ist, zurück ins Jahr 1963.

Auch sein Elternhaus findet er unverändert vor. Wie soll er mit seinem 48-jährigen Geist wieder die Rolle des unmündigen Schülers und Sohnes spielen? Nach anfänglichen Zweifeln und kleineren Schwierigkeiten fügt sich Nakahara schnell in sein altes Ich ein. Es macht ihm Spaß mit alten Freunden abzuhängen, die er zwischenzeitlich aus den Augen verloren hat. In der Schule wird er in mehreren Fächern als Musterschüler gefeiert. Sogar ein Mädchen interessiert sich für ihn.

Am Wichtigsten ist Nakahara aber eines: sein Vater. Der verließ just im Sommer 1963 von einem Tag auf den anderen seine Familie und kehrte nie zurück. Bekommt er etwa eine zweite Chance, das große Rätsel seiner Familiengeschichte zu lösen, das ihn nie losgelassen hat? Oder schafft er es womöglich sogar, die Vergangenheit zu ändern und seinen Vater aufzuhalten?

Eigene Meinung
„Vertraute Fremde“ (im Original „Haruka na machi e“, dt. etwa „Hin zur fernen Stadt“) ist die erste Graphic Novel von Jiro Taniguchi, die bei Carlsen in deutscher Sprache herauskam und ohne Zweifel eines der unterhaltsamstem Werke des Meisters der leisen Töne. Der Lesende wird entführt in die Heimatprovinz des Autors und in eine Zeit, in der auch er seine Jugend dort verlebte. Zeitreisen sind in der Populärkultur wahrlich nicht neu, aber Taniguchi schafft das Kunststück, dem Motiv wesentlich mehr Seele einzuhauchen als die Frage „Würde ich alles nochmal so machen?“. Sein Medium ist dabei der Protagonist Nakahara, der erstaunlich ruhig mit seiner neuen Situation umgeht. Der Wunsch in ihm, seinen Vater bei der Familie zu halten oder zumindest den Grund für dessen Weggang zu verstehen, treiben ihn an. Das führt dazu, dass er nicht nur die Menschen um sich herum, sondern auch sich selbst mit neuen Augen wahrnimmt.

Taniguchis strikte Panelaufteilung und die naturalistischen Hintergründe kommen den Comic-gewöhnten Europäern zupass. Sie erzeugen aber auch eine Sehnsucht, nicht an die „gute alte Zeit“, aber an die Schwierigkeiten und schönen Erlebnisse, die mit der Jugendzeit einhergehen – philosophisch und mit einem Schuss Melancholie. Seine Zeichnungen erwecken die 1960er-Jahre in der japanischen Provinz zum Leben.

Bis zum überraschenden Schluss ist man gefesselt von gut 400 Seiten starken Band, der in westlicher Leserichtung erscheint. Prädikat: Lesenswert!

© Rockita

Vertraute Fremde: © 2005  Jiro Taniguchi  Shogakukan / Carlsen

 

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My Hero Academia Ultra Archive

Name: My Hero Academia Ultra Archive
Englischer Name: My Hero Academia Ultra Archive
Originaltitel: Boku no Hero Academia Character Book Ultra Archive
Herausgebracht: Japan: Shueisha 2016
Deutschland: Carlsen 2017
Mangaka: Kohei Horikoshi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 9,99 €

Inhalt & Eigene Meinung
Es war nur eine Frage der Zeit, bis „My Hero Academia“, ein Überraschungserfolg der letzten Jahre, das erste Guide Book zur Serie erhalten würde. Dieses erste „Ultra Archive“ umfasst etwa die Ereignisse der ersten neun Bände.

Bei der Review hatte ich geschrieben, dass es ganz schön viele Charaktere und Fähigkeiten sind, die bei „My Hero Academia“ auf die Lesenden hereinprasseln. Der nun vorliegende Band nimmt sich dieser Problematik dankbar an und schafft es, die Figuren trotz ihrer Unterschiedlichkeit in einer übersichtlichen und liebevoll gestalteten Enzyklopädie zusammenzufassen.

Doch Schritt für Schritt: Im „Ultra Archive“ geht es klar strukturiert zu. Zunächst werden die Helden-Schülerinnen und Schüler vorgestellt, geordnet nach Klassen und Fakultäten. Die Zusammenfassung der Erlebnisse der Klasse 1A seit Beginn der Serien schließen sich als kommentierte Zusammenfassung an. Anschließend folgen Darstellungen der Profi-Helden und Superschurken, eine Vorstellung der Oberschule, an der die Handlung spielt sowie ein umfangreicher Anhang mit Interview, Entwürfen, Skizzen und Bonus-Manga. Eine umfangreiche Sammlung von Farbillustrationen rundet den Band ab. Zudem gibt es für diejenigen, die sich nach Goodies sehnen, noch zwei Stickerbögen als Extra obendrauf.

Jeder wichtigere Charakter erhält eine übersichtliche Doppelseite mit einem persönlichen Datenblatt und „Helden-Status“ (rechts) sowie Erläuterungen zur jeweiligen „Macke“ (Superfähigkeit) und einer Einordnung des Charakters. Darüber hinaus kommentieren jeweils ein Verbündeter – in der Regel einE MitschülerIn – sowie ein Profiheld den jeweiligen Schüler. Bei den Profihelden und den Feinden ist die Aufteilung vom Ansatz her ähnlich, nur etwas kompakter. So gibt es bei den „Guten“ etwa nur eine Einschätzung von einem Kollegen, bei den „Bösen“ stattdessen einen Vermerk in der Verbrecherakte.

Deutlich wird, dass der Band gleich für den internationalen Markt mit angelegt wurde. Das kann man aber auch über die gesamte Serie sagen. Sieht man von den Augen der Charaktere ab, wirken viele der Farbillustrationen dem US-amerikanischen Comic in Komposition, Licht-Schatten-Spielen und Aufmachung wesentlich näher als dem japanischen Manga-Bereich. Das Konzept kommt aber an.

Eigentlich kann sich bei diesem gelungenen Band alles sehen lassen. Herausheben möchte ich aber die Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse in der Serie. In Vergleichspublikationen ist das eine dröge Angelegenheit, umso mehr, wenn man die Serie kennt. Hier aber kommentieren Charaktere allein oder im Duo die jeweils nacherzählten Entwicklungen und das wirklich kurzweilig. Zudem sind die Schilderungen problemlos geeignet für Neu- und Wiedereinsteiger, die evt. nur die ersten paar Kapitel kennen. Sie machen sogar Lust, sich die Serie (wieder) anzusehen.

© Rockita

My Hero Academia Ultra Archive: © 2016  Kohei Horikoshi  Shueisha / Carlsen

 

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Assassination Classroom – Character Book

Name: Assassination Classrom – Character Book
Englischer Name: Assassination Classrom – Character Book
Originaltitel: Ansatsu kyoshitsu koshiki Character Book Meibo no jikan
Herausgebracht: Japan: Shueisha 2015
Deutschland: Carlsen 2018
Mangaka: Yusei Matsui
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 12,99 €

Inhalt & Eigene Meinung
Kaum ist die Serie „Assassination Classroom“ in Japan abgeschlossen, legt Carlsen hierzulande mit einem Sonderband nach, um Fans der Comedy-Reihe um Alien Koro-sensei und seine Schüler bei der Stange zu halten. Wie beim japanischen Verlag Shueisha bei erfolgreichen Serien gang und gäbe, wird erstmal ein Character Book produziert, in der die liebgewonnenen Figuren genauestens unter die Lupe genommen werden. Eine Serie über eine Schulklasse mit einem enorm großen Cast bietet sich dafür umso mehr an. So gibt es nunmehr ein Werk, in dem alle Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal ausführlich vorgestellt werden: Stärken und Schwächen, besondere Fähigkeiten und Talente, Einschätzungen durch die drei wichtigsten Lehrkräfte (in Leistung, Stil und Killertraining), wichtige soziale Kontakte im Beziehungsdiagramm sowie geheime Zusatzinfos finden sich in diesem Band gebündelt. Darüber hinaus gibt es weitere Informationen zur Schule und außenstehenden Personen, die in der Handlung eine Rolle spielen. Angereichert ist der Band außerdem mit einem Sammelsurium an unterschiedlichsten Dingen (Klassenfahrt-Report, Liebesbarometer, Übersicht über Koro-senseis Posen etc.), das über alle Kapitel verteilt ist.

Die äußerliche Aufmachung ist an ein geheftetes Notizbuch angelehnt, was nicht nur bildlich, sondern auch substanziell nachvollziehbar unterstützt wird, indem der Buchrücken matt und rau, ein Großteil des Covers ansonsten aber in Hochglanz gestaltet ist. Das macht etwas her. Innerlich ist die Optik indes weniger gelungen. Selbst für japanische Verhältnisse und im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen dieser Art sind die Seiten wirklich vollgestopft. Um zwei Beispiele zu nennen: Die Personendaten der Charaktere – in vergleichbaren Publikationen ordentlich in Tabellenform – sind hier am Ende der Seite aneinandergereiht, wohl um Platz zu sparen. Diagramme mit der Übersicht über das Maß der Fähigkeiten, die bei Characterfiles nicht fehlen dürfen, wirken wie noch schnell in die Seite gequetscht, damit man nicht darauf verzichten muss.

Unübersichtlich ist der Band leider insgesamt, angefangen schon beim Inhaltsverzeichnis an. Das wurde zwar an sich pfiffig in Form einer Tafelanschrift gestaltet, jedoch würde kaum ein Lehrer solche Tafelbilder produzieren, in denen die Inhalte der einzelnen Oberkapitel unstrukturiert durcheinander stehen. Noch dazu sind die Namen der Schüler als Sitzplan ihrer Klasse aufgeführt. Das mag wiederum nett aussehen, entspricht aber logischerweise überhaupt nicht der Klassenliste, nach der die Characterfiles geordnet sind. Sucht man einen bestimmten Charakter, muss man auf die Suche gehen – oder schneller einfach durchblättern, bis man ihn gefunden hat. So verliert aber das Inhaltsverzeichnis seinen Sinn (das im Übrigen auch „falsch herum“, sprich in westlicher Richtung im ansonsten von rechts nach links zu lesenden Band angeordnet ist.

Im Rest des Bandes wird setzt sich das fort. Einerseits sind Rubriken wie die Koro-sensei-Posen in Einzelseiten über den ganzen Band verteilt, andere Rubriken wurden ohne erkennbares System zwischen größere Kapitel gesteckt. Manche Personen werden auch doppelt vorgestellt, mal als Teil einer Gruppe (AG, Lehrerkollegium, Klasse), mal als Einzelperson.

Dem Band liegt außerdem ein kleines Beiheft „Reiseführer für Klassenfahrten“ bei, das übersichtlicher gestaltet ist, als das eigentliche Character Book. Darin werden Insiderinfos für einen Trip nach Kyoto gegeben. Für deutsche Lesende dürften einige genannte Themen eher uninteressant sein, etwa eine Lehreinheit zum Kyoto-Dialekt oder Verhaltensregeln für Schüler. Von daher ist das Heftchen eher als nett gemeintes Extra zu verstehen.

Das Preis-Leistungsverhältnis für den Band ist in Ordnung. Für knapp 290 Seiten starker Band mit vielen Farbseiten und einem Extra sind 12,99 € – da kann man nichts sagen. Es stellt sich jedoch die Frage nach dem Nutzen: Als Enzyklopädie oder Nachschlagewerk für Gelegenheitsleser ist der Band nicht wirklich geeignet. Vielmehr bietet er für eingefleischte Fans der Serie „Assassination Classroom“, die nicht auf die einfachen Charakterinfos angewiesen sind, durch Zusatzfacts eine Ergänzung zur Serie.

© Rockita

Assassination Classroom – Character Book: © 2015  Yusei Matsui  Shueisha / Carlsen

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Burning Hell – Das Land der Götter

Name: Burning Hell – Das Land der Götter
Englischer Name:
Originaltitel: Burning Hell Kami no Kuni
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 2015
Deutschland: Carlsen 2017
Mangaka: Story „Burning Hell“: Youn In-Wan
Story „Das Land der Götter“: Kim Eun-Hee
Zeichnungen: Yang Kyung-Il
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 9,99 €

Story
Der vorliegende Band besteht aus zwei Kurz-Manga von Yang Kyung-Il nach Vorlagen von Youn In-Wan („Burning Hell“) bzw. Kim Eun-Hee („Das Land der Götter“).

Burning Hell
Die einsame Insel Kyokudo liegt zwischen Korea und Japan im Japanischen Meer. Beide Länder nutzen das Eiland, um dort ihren menschlichen „Abfall“ wie Massenmörder oder Triebtäter zu entsorgen. Als der kampffreudige japanische Kannibale Juu nach Kyokudo deportiert wird, lebt dort nur noch ein einziger Mensch: der koreanische Leichenfledderer Han. Ärger ist vorprogrammiert. Ein Jahr später haben die beiden ungleichen Männer halbwegs die Sprache des jeweils anderen gelernt. Doch nach wie vor ist ihre bevorzugte Kommunikationsmethode ein zünftiger Kampf. Dann aber taucht eines Tages ein westliches Schiff an der Insel auf…

Das Land der Götter
Sein ganzes Leben hat der kleine Prinz Lee Moon ein Leben in Saus und Braus geführt. Eines Tages aber überlebt er als einziger ein Attentat auf dem Palast. Seine Mutter beschwört den Jungen vor ihrem Tod, er solle zum Jiyulheon gehen, einem bekannten Krankenhaus. Doch wie soll Le Moon alleine dort hinkommen? Spontan verspricht er dem draufgängerischen Banditen Jae-ha eine größere Geldsumme, wenn dieser ihn als Leibwächter begleitet. Ihre Reise ist eine Flucht vor gefährlichen Ninja – und vor Toten, die aus ihren Gräbern auferstehen…

Eigene Meinung
Endlich wieder Stoff des hierzulande inzwischen wohlbekannten Duos Youn In-Wan und Yang Kyung-Il (u.a. „Shin Angyo Onshi“), diesmal einen Band mit zwei Kurz-Manga. Das Cover-Layout der deutschen Ausgabe ist eigentlich irreführend, da die Aufmachung suggeriert, „Burning Hell“ sei der Haupttitel. Eigentlich handelt es sich bei „Das Land der Götter“ aber um den Titel einer gleichwertigen zweiten Erzählung. Angesichts des vergleichsweise geringeren Umfangs (120 bzw 180 Seiten) und wohl aus finanziellen Erwägungen heraus wurden beide Einzelgeschichten in einem deutschen Band zusammengefasst.

Erneut entführen die Koreaner in die fernöstliche frühe Neuzeit, diesmal in Form eines „Culture Clashs“ auf der Todesinsel. In „Das Land der Götter“, deren Story von Kim Eun-Hee stammt und lediglich von Youn In-Wan für die Veröffentlichung als Manga aufbereitet wurde, geht es da nur scheinbar ruhiger zu. Der Lesende taucht ein in die koreanische medizinische Versorgungsstruktur. Untote sind inklusive, aber der Hintergrund für die Zombies ist interessant.

Das alles kommt in gewohnt oppulenter Optik daher. Das Talent von Yang zeigt sich insbesondere bei Kämpfen und Szenen mit schnellen Bewegungen. Künstlerisch vereinigt er Blutspritzer, wirbelnde Haare, Erd- und Steinbrocken sowie die jeweils gewählten Waffen zu einer atemberaubenden Gesamtkomposition. Diesen besonderen Stil hat sich Yang während seiner Arbeit an „Shin Angyo Onshi“ sukzessive angearbeitet. Ob es seine Zeichnungen nun verbessert oder nur verändert, liegt im Ermessen des Betrachters.

„Burning Hell – Das Land der Götter“ bietet für Fans der Autoren eine schöne Ergänzung, der Band bietet aber auch so gelungene Unterhaltung.

© Rockita

Burning Hell – Das Land der Götter: © 2015  Youn In-Wan / Kim Eun-Hee / Yang Kyung-Il  Shogakukan / Carlsen

 

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