Yodongs Vampirin

Name: Yodongs Vampirin
Englischer Name:
Originaltitel: Yodongs’s Vampire
Herausgebracht: Korea: Sigongsa 2001
Deutschland: Achterbahn 2004
Mangaka: Lee You Jong
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 10,00 €

Yodongs VampirinStory
Yodong Lee ist 27 Jahre alt und ein ganz normaler Angestellter. Noch nie hatte er eine Freundin und er glaubt, dass seine erste Freundin auch seine Frau wird.

Es ist ein regnerischer Tag und Yodong kommt von der Arbeit. Auf der Straße sieht er ein Mädchen betteln. Er holt eine Münze hervor und fragt das Mädchen, ob er das Geld vor ihr auf den Boden legen soll. Das Kind schaut auf und hält ihn am Handgelenk fest. Er versucht verzweifelt sich von ihr los zu reißen, doch sie verliert scheinbar das Bewusstsein.

Kurz entschlossen nimmt er sie mit nach Hause und legt sie dort in sein Bett. Er geht auf Toilette und wenige Sekunden später folgt ihm das Mädchen dorthin. Im Bad angekommen nimmt sie ihr wahres Äußeres an: Auf den ersten Blick eine nackte, junge, schöne Frau… wären da nicht ihre Eckzähne… Yodong bekommt es mit der Angst zu tun und weiß nicht, wie er der Vampirin entkommen soll. Er sitzt in der Falle. Sie nähert sich ihm Stück für Stück und kurz bevor sie zubeißt, umarmt er sie.

Am nächsten Morgen wacht er auf. Er lebt und er hat Nasenbluten. Er schleicht ins Bad, macht sich fertig und geht zur Arbeit. Dort ist er natürlich sehr müde durch den Blutverlust. Zur Strafe bekommt er von seiner Abteilungsleiterin, Frau Oh, einen dicken Stapel mit Statistiken zum bearbeiten. Er bearbeitet sie unerwartet gut, wodurch Frau Oh abends etwas mit ihm bereden möchte. Von seinem Kollegen erfuhr Yodong, dass sie schon mit fast jeden (außer mit Yodong und besagten Kollegen) der Abteilung eine Nacht verbracht hat. Nun ist also er an der Reihe.

Doch die Vampirin taucht plötzlich mitten auf der Straße auf und fordert ihn auf, für sie die Verantwortung zu tragen. Er glaubt natürlich, sein Ende würde jetzt nahen, wenn er nicht flieht. Er zieht Frau Oh mit sich und versucht in ein Taxi zu gelangen. Die Vampirin verfolgt ihn und fasst seine Jacke. Doch als sie die Kreuze in der Innentasche sieht, bricht sie zusammen. Er lässt sie auf dem Gehweg liegen und steigt mit Frau Oh in ein Taxi nach Itaewon. Die Vampirin bleibt dort nicht lange unbemerkt. Drei Männer nähern sich ihr und nehmen sie letztendlich mit. Einer von ihnen ist der Chef der drei, welcher schon drei Jahre im Gefängnis saß wegen sexueller Belästigung und erst seit einem Tag wieder auf freiem Fuß ist.

Zur gleichen Zeit sind Yodong und Frau Oh in einer Disko und vergnügen sich dort. Die Vampirin wird nackt in die Badewanne neben den „Chef“ gelegt und soll nun von ihm vernascht werden. Yodong hat sich auf die Toilette verzogen und beginnt sich langsam Sorgen um die Vampirin zu machen. Plötzlich kommt Frau Oh nackt in die Toilette und schmeißt sich an ihn ran. Wie auch die Vampirin umarmt er sie unerwartet. In diesem Moment kommt die Vampirin im Bad zu sich und spürt die Gefahr…

Eigene Meinung
Lee You Jong ist ein sehr bekannter Adult-Manhwaga. Alle seine Werke sind eher für ältere Leser geeignet und sind manchmal etwas zensiert. Der Zeichenstil ist sehr ästhetisch und geprägt von hübschen Mädchen mit den Maßen 90-60-90. Die Story ist spannend und auch an vielen Stellen sehr komisch. Empfohlen wir der Manhwa eher an die ältere, männliche Leserschaft.

Yodongs Vampirin: © 2001 Lee You Jong, Sigongsa / Achterbahn

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Wings of Vendemiaire

Name: Wings of Vendemiaire
Englischer Name:
Originaltitel: Wings of Vendemiaire
Herausgebracht: Japan: Kodansha 1997
Deutschland: EMA 2002
Mangaka: Mohiro Kitoh
Bände: 2 Bände
Preis pro Band: 9,90 €

Wings of Vendemiaire Band 1Story
“Wings of Vendemiaire” erzählt die Geschichten von vier lebendigen Puppen, die alle den Namen Vendemiaire tragen.

In der ersten Geschichte trifft der Gastwirtssohn Ray, der in einem kleinen, verschlafenen Dorf auf dem Land wohnt, auf dem Jahrmarkt ein Mädchen mit Engelsflügeln namens Vendemiaire, das zu einem Wanderzirkus gehört. Er hält sie für ein normales Mädchen und verliebt sich schnell in sie. Gemeinsam erleben sie eine kurze, aber schöne Zeit zusammen. Als Ray erfährt, dass Vendemiaire bei ihrem Auftritt dem Vergnügen der Männer dient, versucht er, seiner Freundin zu helfen, hat jedoch keine Chance. Daraufhin beschließen die beiden in die Stadt zu fliehen, doch der Zirkusdirektor stellt sich ihnen in den Weg uns verletzt beide schwer.
Tage später erwacht Ray. Vendemiaire ist verschwunden, als ob es sie nie gegeben hätte. Oder doch?

Wenige Monate vor Beginn des ersten Weltkriegs landet der junge Kunstflieger Will mit seinem Eindecker „Hob Goblin“ in einem kleinen Ort, in dem gerade ein Wanderzirkus gastiert. Dort trifft er die gleichaltrige Vendemiaire, ein Mädchen mit Schmetterlingsflügeln, die er für eine Turmspringerin hält. Schnell entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen beiden und Will nimmt Vendemiaire sogar in seinem Flugzeug mit und zeigt ihr die Freiheit der Lüfte. Doch seine neue Freundin scheint vor irgendetwas große Angst zu haben. Erst später vertraut sie sich dem jungen Piloten an. In Wirklichkeit ist Vendemiaire eine Puppe, die vom Zirkusdirektor geschaffen wurde und als solche ein Gebrauchsgegenstand, der vernichtet wird, sobald er nutzlos geworden ist. Der verliebte Will macht daraufhin dem Direktor ein Angebot: Sollte er den Flugwettbewerb am nächsten Tag gewinnen, erhält der Zirkus da Preisgeld. Dafür ist Vendemiaire frei und darf mit ihm kommen. Zum Schein geht der Direktor auf den Handel ein. In Wirklichkeit liegt ihm nichts ferner, als sein Versprechen zu halten. Während des Wettbewerbs am nächsten Tag redet er Vendemiaire ein, dass Will den Wettbewerb nicht überleben und sie niemals frei sein wird. Tatsächlich gewinnt ihr Freund den Wettbewerb, danach greift jedoch der Rabe des Direktors ein und lässt die „Hob Goblin“ abstürzen. Daraufhin stürzt sich Vendemiaire vom Kirchturm in die Tiefe, wohlwissend, dass ihre Flügel nur zur Schau da sind und sie nicht tragen können. Wie durch ein Wunder überlebt jedoch Will den Absturz…

Wings of Vendemiaire Band 2Eigene Meinung
Die zweibändige Mini-Serie „Wings of Vendemiaire“ umfasst acht Kurzgeschichten der Mangaka Mohiro Kitoh. In ihr werden die Geschichten der vier Puppen-„Schwestern“ erzählt, die den Namen Vendemiaire tragen. Trotz unterschiedlichem Charakter und verschiedenen Situationen verfolgen sie im Grunde alle das Ziel, frei zu sein und von allen Ketten erlöst ein Leben zu führen, wie sie es möchten. Darauf deutet wohl auch die Tatsache hin, dass alle Protagonistinnen verschiedene Flügel tragen, die ihr Wesen symbolisieren, aber auch ihren Status als „Vogel im Käfig“ noch einmal unterstreichen. Ihre verschiedenen „Herstellungsarten“ sorgen für eine jeweils andere Gefühlsentwicklung.

Neben den Schicksalen der Vendemiaires werden auch die der Personen, die ihnen nahe stehen oder im Laufe der Handlung Zuneigung für sie empfinden, ins Licht gerückt.
Alles in allem wurde hierbei eine dramatische und gefühlsbetonte Story geschaffen, die mit einem Hauch Mystik und einem Schuss Romantik verfeinert wurde. Eine Art Happy-End rundet die Handlung ab. Der Zeichenstil ist sehr fein, teilweise aber auch sehr detailliert, zum Beispiel bei technischen Zeichnungen.

Vendemiaire ist übrigens ein Name aus dem französischen Kalender, der während der Revolution von 1789 herausgegeben wurde. Auch weitere Namen daraus tauchen in den einzelnen Geschichten, die teilweise inhaltlich zusammenhängen auf – bei allen weiblichen Nebencharakteren.

Hierzulande erschien die Reihe komplett im Magazin „Manga Power“. Noch während der Veröffentlichung wurde im Rahmen einer „Print on Demand“-Aktion eine limitierte Auflage von 500 Tankobons (Einzelbänden) pro Band gedruckt und verkauft. Eigentlich schade, dass bei einer solchen Serie und der geringen Bandzahl nicht über eine reguläre Veröffentlichung nachgedacht wurde…

© Rockita

Wings of Vendemiaire: © 1997 Mohiro Kitoh, Kodansha/EMA

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What’s Michael?

Name: What’s Michael?
Englischer Name: What’s Michael?
Originaltitel: What’s Michael?
Herausgebracht: Japan: Kodansha 1985
Deutschland: EMA 2001
Mangaka: Makoto Kobayashi
Bände: 9 Bände (in Deutschland nach Band 4 eingestellt)
Preis pro Band: 9,95 DM / 4,99 €

What's Michael Band 1Story
Dieser Manga besteht aus vielen Kurzgeschichten über 6 Seiten. Es sind Momentaufnahmen aus dem Alltag stressgeplagter Dosenöffner, Vier- und Zweibeinern. Die Protagonisten selbst wechseln immer wieder, nur der Kater Michael taucht in jeder „Geschichte“ auf. Er ist ein rot getiegerter Kater, der alle möglichen Abenteuer erlebt. So muss er beweisen, was für ein guter Jäger eine Katze doch ist und welche Geduld sie dabei habe. Es wird gezeigt, wie sehr Katzen von ihrem Jagdtrieb beherrscht werden und wie sie über die Menschen herrschen. Mal lebt Michael bei einem Yakuza, mal zusammen mit anderen Katzen bei einer Frau und dann auch mal bei einem einfachen Geschäftsmann. Manchmal schafft er es seine Besitzer in den Wahnsinn zu treiben und dann wieder zeigt er die liebenswerten Seiten einer Katze. In einer Geschichte ist Michael ein Schauspieler und einmal sogar ein Tatverdächtiger. Aber egal in welcher Rolle er ist, stets bleibt das typische Verhalten einer Katze. Ab Band zwei bekommt Michael dann auch eine Lebensgefährtin samt Nachwuchs. Aber auch Gegner wie Maunzilla treten mit der Zeit auf. Der Manga zeigt sowohl das Leben von Rassenkatzen, als auch das von streunenden Katzengangs.

Die Geschichten in „What’s Michael“ sind sehr vielfältig. So gibt es auch Geschichten die in einer „Katzenwelt“ spielen. Hier leben die Katzen so als wären sie Menschen. Makoto Kobayashi benutzt gerne Parodien auf Bekanntes wie „Planet der Katzen“, „Das Hässliche Kätzchen“ oder sogar „Michael Jackson“.

What's Michael Band 2Dieser Manga kann auch viele Fragen beantworten die man sich als Katzenbesitzer und auch als jemand, der sich für Katzen interessiert, immer wieder stellt. Er zeigt, ob Katzen wirklich immer auf den Füßen landen. Die Frage, welche Haustiere besser sind, Katzen oder Hunde, wird geklärt. Und, was bestimmt jeder schon mal wissen wollte, was denken unsere Stubentiger eigentlich wirklich? Kann man Katzen denn erziehen? All damit beschäftigt sich Makoto Kobayashi in seinem Manga.

Michael erinnert manche bestimmt an Garfield, jedoch gibt es Unterschiede. Nicht nur, dass Michael aus Japan kommt, sondern auch, dass er schneller, bissiger und gemeiner ist. Da Makoto Kobayashi selbst ein Katzenbesitzer ist und auch ein großer Fan von diesen Tiere ist, lässt er auch sich selbst, seine Familie und seine Bekannten in seinem Manga auftreten.

Eigene Meinung
Dieser Manga ist allen Katzenfreunden zu empfehlen. Wer selber eine Katze zu Hause hat wird beim lesen immer wieder mit dem Kopf nicken können. „What’s Michael“ zeigt sehr schön und durch einfache Zeichnungen wie sich Katzen so verhalten.

Außerdem ist der Manga sehr lustig gestaltet, sodass man neben dem Schwärmen für die Katzen auch noch viel lachen kann.

© Nekolein

What’s Michael: © 1985 Makoto Kobayashi, Kodansha / EMA

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What a Wonderful World!

Name: What a Wonderful World!
Englischer Name: What a Wonderful World
Originaltitel: Subarashii Sekai
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 2003
Deutschland: EMA 2007, Tokyopop 2015
Mangaka: Inio Asano
Bände: 2 Bände
Preis pro Band: 7,50 € (EMA)
12,00 € (Tokyopop)

What a Wonderful World! Band 1Story
„What a Wonderful World!“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die manchmal zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen und weiter erzählt werden.

Die Geschichten behandeln dabei alle die Schicksale von „Außenseitern“, „Verlieren“ und ähnlichen Leuten, die mit ihrem Leben alles andere als zufrieden sind. Manche von ihnen treibt es sogar fast zum Selbstmord. Die einzelnen Geschichten tragen Namen, die zwar etwas mit der Geschichte zutun haben, aber nie wieder geben was eigentlich für schlimme Dinge in ihnen geschehen. Was man auch am Titel des Manga sieht.

Ein Beispiel wäre Kapitel 2 „Eine Stadt mit vielen Hügeln“. Hier begegnet einem Mädchen eines Morgens auf dem Weg zur Schule, ein schwarzer Rabe, der im Kadaver einer überfahrenen Katze herumpickt. Der Rabe schaut das Mädchen an und fängt dann an, mit ihr zu sprechen. Er stellt in dieser Erzählung den Tod da, der das Mädchen davon überzeugen möchte sich umzubringen, indem er ihr immer wieder aufzeigt, dass sie eine Außenseiterin ist. Tatsächlich hat das Mädchen keine Freunde und wird von ein paar Mädchen gehänselt, woraufhin sie sich letzten Endes entscheidet, dem Ratschlag des Raben zu folgen. Sie nimmt an einer Mutprobe der Jungs aus ihrer Klasse teil, die jedes Jahr aufs Neue mittels einer irrsinnigen Aufgabe den neuen König, der das sagen in der Klasse hat, festlegen. Bei einer dieser Mutproben ist schon mal jemand umgekommen und nun nimmt auch das Mädchen teil mit dem Gedanken im Kopf sich möglicherweise umzubringen…

What a Wonderful World! Band 2Auch die anderen Kapitel behandeln solche Situationen und die Gefühle des Opfers, das oft von der Gesellschaft im Stich gelassen wurde und nun versucht, sich mit seiner Situation abzufinden, oder alles zu beenden. Allerdings hat jedes Kapitel ein Ende das zeigt, dass auch Hoffnung in der Welt existiert. So wächst an der Stelle wo vorher der Kadaver einer Katze gelegen hat(Kapitel 2) nun eine Blume. Das Ende ist allerdings nicht als Happy End zu sehen und kann die bedrückte Stimmung, die in einem erwächst, während man sich durch den Manga liest nicht vertreiben.

Eigene Meinung
„What a Wonderful World!“ ist einer der Manga, der unter die Haut geht. Man fühlt sich bedrückt und möchte eigentlich gar nicht weiter lesen. Hier wird einem immer wieder vor Augen geführt, wie schlecht es einem in Leben kann (nicht nur äußerlich sondern auch innerlich). Es entsteht eine gewisse Hoffnungslosigkeit, doch alle in den Geschichten behandelten Personen entdecken am Ende, dass ihre Situation doch nicht ausweglos ist und versuchen ihr jetziges „Schicksal“ zu ändern. Es wird aber nicht gezeigt ob die Hoffnungen der Charaktere in Erfüllung gehen und ob sich ihre Anstrengungen lohnen.

Ich kann den Manga nur einem älteren Publikum empfehlen, dem es nichts ausmacht, wenn es auch mal kein „Happy End“ gibt, denn sowohl vom Zeichenstil als auch von der Erzähltechnik her ist der Manga gut gelungen.

©BrainBug

What a Wonderful World!: © 1997 Inio Asano, Shogakukan / EMA / Tokyopop

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Von der Natur des Menschen

Name: Von der Natur des Menschen
Englischer Name:
Originaltitel: Keyaki no Ki
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 1993
Deutschland: Carlsen 2009
Mangaka: Story: Ryuichiro Utsumi
Zeichnungen: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 14,90 €
16,00 € (Nachdruck 2017)

Von der Natur des MenschenStory & Eigene Meinung
Jiro Taniguchi ist von dem deutschen Mangamarkt als Künstler nicht mehr wegzudenken, bewegen sich seine Werke doch fernab der üblichen Mangakultur. Sie steuern gegen den hektischen und schnellen Stil, legen eher Wert auf Stille und ruhige Themen und widmen sich zumeist dem Menschen und dem Zusammenleben in all ihren Facetten. Sein mit dem Autoren Ryuichiro Utsumi erschaffenes Werk „Von der Natur des Menschen“ bietet hierbei einen Einblick in die japanische Kultur und das Alltagsleben und zeigt in acht Kurzgeschichten verschiedene Szenarios des menschlichen Miteinanders. Dabei geht es vordergründig um die Schönheit des Lebens, sowie um den Respekt und die Würde des eigenen Lebens.

Die erste Geschichte („Der Keyaki-Baum“), die dem Manga seinen ursprünglichen Namen („Die kaukasische Ulme“) hätten geben sollen, handelt von dem neuen Haus der Haradas. Ein wunderschöner Keyaki, der dort im Garten des Anwesens wächst, bringt dem pensionierten Paar in ihrer neuen Bleibe nicht nur viel Freude, sondern auch Ärger mit den Nachbarn ein. Das viele Laub im Herbst, störe die übrigen Anwohner des kleinen Vorortes und den Haradas wird nahegelegt die Ulme fällen zu lassen, um den lästigen Blättern Einhalt zu gebieten. Doch die Haradas zögern, besonders als sie Besuch von dem vorherigen Besitzer des Hauses erhalten und dieser ihnen von der Schönheit und der Seele des Baumes berichtet…

Die weiteren Geschichten handeln mal von dem Lachen eines Kindes („Das weiße Holzpferd“), der Trennung eines Geschwisterpaares in frühster Kindheit und einem späteren Wiedersehen („Das Leben meines Bruders“), mal von der Liebe einer Großmutter zu einem Fremden und das Glück, das ein verständiges Herz mit sich bringt („An der Gemäldegalerie“). Die Geschichten sind dabei niemals kitschig oder übertrieben rührselig sondern immer zurückhaltend und dennoch effektvoll inszeniert Momente, die eher nachdenklich machen und den Leser mit auf eine Reise der zwischenmenschlichen Beziehungen nehmen. Dass die Episoden niemals ein wirkliches Ende oder gar eine Moral haben, die mit erhobenen Zeigefinger vermittelt wird, ist für Jiro Taniguchi selbstverständlich.

„Von der Natur des Menschen“ ist ein Kleinod, widmet sich der Identität des Individuums und den sensiblen Gefühlen der einzelnen Persönlichkeiten. Dabei sind diese Charaktere allesamt Menschen, wie man sie überall anzutreffen vermag- und jeder hat seine eigenen Probleme und Sorgen, die es zu entdecken gibt.

Dass Jiro Taniguchi dieses Mal nicht allein die menschliche Existenz erkundet, zeigt sich daran, dass er mit dem Autoren Ryuichiro Utsumi zusammengearbeitet hat. Dieser hat alle acht Kurzgeschichten geschrieben, der Künstler hat sich dieses Mal vollkommen auf die zeichnerische Umsetzung konzentriert. Diese sind wie nicht anders zu erwarten von außerordentlich hoher Qualität und in keinem Fall mit dem gängigen Manga zu vergleichen. Jedes Panel wirkt wie ein Kunstwerk für sich, jeder Hintergrund und jedes Detail der Häuser, Personen und der Natur ist unglaublich liebevoll in Szene gesetzt. Dass die Charaktere durch und durch realistisch gehalten sind und sich dementsprechend kaum mehr mit den üblichen Mangahelden vergleichen lassen, stört nicht weiter, sind doch die Alltagsgeschichten ebenso realistisch gehalten.

„Von der Natur des Menschen“ ist jedem Leser von ernsten und realistischen Werken zu empfehlen. Das Wort Manga sollte man generell bei Jiro Taniguchis Graphic Novels außen vorlassen. Dass der Band gespiegelt in Deutschland erschienen ist der einzige Wehrmutstropfen, den man bei diesem Bandes in Kauf nehmen muss. Doch die vielen Farbseiten zu Beginn der Novel und die schöne Aufmachung machen diesen Fehler wieder wett und damit „Von der Natur des Menschen“ zu einem äußert anspruchsvollen Werk, fernab der Mangas, die man ansonsten auf dem deutschen Markt findet…

© Koriko

Von der Natur des Menschen : © 1993 Jiro Taniguchi/ Ryuichiro Utsumi, Shogakukan Inc./ Carlsen

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Vampire Master

Name: Vampire Master (ab 16 Jahren)
Dark Crimson (ab 18 Jahren)
Englischer Name:
Originaltitel: Dark Crimson
Herausgebracht: Japan: Kodansha 2000
Deutschland: Planet Manga 2002
Mangaka: Satoshi Urushihara / Mie Takase
Bände: 3 Bände, nicht abgeschlossen
Preis pro Band: 10,25 €

Vampire Master Band 1Story
Vampire Master spielt in einer fiktiven Welt. Die Menschen, dort auch Crimsons genannt, leben in ständiger Unterdrückung durch die Clients, Dämonen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die aus ihrer eigenen Welt gekommen sind, um die Erde zu beherrschen, mit allem was damit zusammenhängt. Dies würde erst durch die Öffnung des Tores zur Menschenwelt möglich, nachdem der letzte Dämonenkönig starb. Doch nicht alle Menschen wissen von der Gefahr…

Der 13-jährige Shion lebt zusammen mit seiner noch sehr jungen Mutter in einem Dörfchen auf dem Land. Seine beste Freundin ist die vier Jahre ältere Rain, die bei ihrem Onkel, dem Pfarrer des Dorfes lebt. Shions Mutter wünscht sich, dass Rain bald Shions Braut wird und ein Teil der Familie. Als Rain und Shion eines Tages zusammen von der Schule nach Hause gehen, finden sie im Wald ein für die Jahreszeit sehr leicht bekleidetes, bewusstloses Mädchen. Sie nehmen es mit nach Hause, damit sie sich ausruhen kann. Während Shion auf das Mädchen aufpasst, vertraut seine Mutter Rain das Geheimnis von Shions Vater an, der ein Client war. Somit ist Shion als Sohn eines Dämons und eines Menschen ein Vampir. Doch Rain liebt ihn so sehr, dass ihr es egal ist. Während Shions Mutter einkaufen geht, wollen Shion und Rain „den letzten Schritt tun“ um für immer verbunden zu sein. Dabei werden sie von Artemis, dem Mädchen aus dem Wald, gestört. Es stellt sich heraus, dass sie ein Client ist, die gekommen ist, um Shion, den Sohn des letzten Dämonenkönigs Beelzebub, zu töten. Bevor sie die Gelegenheit dazu hat, verliert durch Shions Nähe, die Gehirnwäsche, die ihr vom neuen Dämonenkönig verpasst wurde, ihre Wirkung und sie erinnert sich, dass sie ebenfalls eine Tochter Beelzebubs ist. Gerade rechtzeitig kommt Shions Mutter heim, die Artemis, ohne zu wissen wer sie ist, zum Kampf herausfordert.

Shion versucht währenddessen Rain zu retten, die von Artemis tödlich verletzt wurde. Doch das kann er nur, indem er sie zu seiner Braut macht und ihr Blut nimmt.

Vampire Master Band 2Artemis hat große Probleme, sich gegen Shions Mutter zu verteidigen. Nicht nur, dass sie zu schwach ist, sie erinnert sich auch immer mehr an die Worte ihrer Mutter Lilith, der besten Freundin von Shions Mutter Maria. Maria erkennt, dass sie Liliths Tochter ist und nimmt sie in den Arm. Das wiederum erregt das Aufsehen Michaels, eines Clients, der sich, als Dichter getarnt, in das Dorf eingeschlichen hatte. Er befiehlt Artemis, Maria zu töten, da sie das aber nicht will, nimmt „er“ die Sache selbst in die Hand.

Er tötet Maria sowie alle Menschen in der Nähe und legt das Dorf in Schutt und Asche. Erst Shion und Rain gelingt es, nach einem harten Kampf, das Dämonenbiest zu besiegen, dass er erschaffen hat.

Von diesem Tag an ziehen Shion und Rain gemeinsam umher um die Menschheit vor den Übergriffen der Clients zu beschützen…

Eigene Meinung
„Vampire Master“ (im jap. Original „Dark Crimson“) ist das neuste Werk des „Herrn der Brüste“ Satoshi Urushihara. Story und Artwork zeugen von gewohnter Eleganz. Neue Aspekte der Saga um Vampire werden hier aufgeworfen, die Erotik kommt nicht zu kurz (daher auch die treffenden Kapitel- Namen : „1. Nacht“, „2. Nacht“, usw.).

In diesem Manga gibt es mehr nackte Haut zu sehen, als man bräuchte um einen Mönch geil zu machen. Die Altersbeschränkungen (ab 16 Jahren & ab 18 Jahren) sind durchaus verständlich, nicht aber die Zensur der ersteren Version. In der zensierten Version wurden einfach 10 Seiten durch eine schwarze mit dem VM-Logo ersetzt. Ich habe den unzensierten Band nicht gelesen, aber ich denke nicht, dass diese Szenen so schrecklich sind, dass 16-jährigen sie weniger gut bekommen sollen, als 18-jährigen…

Wenn man den Rest gelesen hat, ist man auf ziemlich alles vorbereitet.
Für Fans von Vampiren, Dämonen, viel Tod und noch mehr Blut, die sich nicht durch Nacktszenen abschrecken lassen, ist dieser Manga empfehlenswert.

© Rockita

Vampire Master: © 2000 Satoshi Urushihara, Kodansha / Planet Manga

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Two Face

Name: Two Face
Englischer Name:
Originaltitel: Passionate Two Face
Herausgebracht: Korea: Sigongsa 2001
Deutschland: Achterbahn 2004
Mangaka: Lee You Jong
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 10,00 €

Two FaceStory
Sangbaeg ist Student im Fach Ernährungswissenschaften einer drittklassigen Uni auf Jeju, dem Hawaii Koreas. Im Sommer besucht er seine Eltern.

Gleich am ersten Abend nimmt er sein Fernglas und klettert damit auf einen Strommast um Hyeji zu beobachten. Hyeji Min ist seit der Grundschule seine beste Freundin. Durch das Balkonfenster sieht er, wie sie ihr Oberteil auszieht. Er kann seinen Augen kaum trauen als er einen Mann bei ihr sieht. Sangbaeg beobachtet weiter die Szene: der Mann schubst Hyeji scheinbar zweimal weg, sie steht immer wieder auf, umarmt ihn und scheint ihn zu küssen. Sie zieht ihren BH aus. Daraufhin verlässt der Mann stürmisch den Raum und steigt in einen Mercedes. Sangbaeg wirft noch einen letzten Blick auf die weinende Hyeji, klettert den Strommast hinab und plant, für den nächsten Tag, ein Treffen mit Hyeji.

Am nächsten Morgen kommt sie ihm zuvor und klingelt an seiner Tür. Sangbaeg schläft noch und seine Mutter lässt Hyeji ihn wecken. Sie will ihm etwas geben. Was das wohl sein wird…? Er verschwindet schnell und zieht sich frisch an. Sie plaudern viel über vergangenes und gegenwärtiges. Dann gehen sie in den Vergnügungspark. Als die Sonne untergeht, beginnt Hyeji mit der Sprache herauszurücken, was sie ihm geben möchte: eine schöne Erinnerung. Sie gibt ihm die ganzen Briefe, die er ihr schrieb, zurück und will nun ein neues Leben beginnen.

Sangbaeg ist davon so geschockt, dass er nicht merkt, wie er langsam von dem Geländer, auf dem er saß, immer weiter nach hinten fällt und letztendlich im Krokodilsbecken landet. Drei Krokodile nähern sich ihm und er bekommt Angst. Er schreit um Hilfe und ein Mann rennt auf ihn zu, hilft ihm aber nicht, sondern macht Fotos von seinem Gesichtsausdruck. Sangbaeg schafft es aus dem Becken zu klettern, wird aber wenig später ohnmächtig.

Am gleichen Abend trifft sich Hyeji mit dem Mann. Sie gehen Essen und reden auch über Sangbaeg. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich in einer Wohnung wieder. Neben ihm steht ein junges Mädchen in BH und Rock. Es stellt sich heraus, dass der Mann, welcher ihn vorhin im Becken fotografierte hatte, ihn mit nach Hause nahm. Der Mann ist Maskenbildner und erforscht zurzeit die Gesichtsausdrücke der Menschen. Der Maskenbildner errät schnell, was Sangbaeg so zu schaffen macht und zeigt ihm deshalb seine Kunst. Dadurch erfährt Sangbaeg den Namen seines Kontrahenten um Hyeji, Gobong Choi, der „Virgin Hunter“ der „Orgasmus Productions“… Dieser betritt mit Hyeji ein verfallenes Gebäude, stellt ihr seine Porno Produktion vor und bittet sie, dort vor seiner Kamera zu stehen.

Eigene Meinung
„Two Face“ hat die richtige Mischung aus Witz und Ernst. Die Proportionen der Hauptdarstellerin sind genauso idealistisch wie schon in „Yedongs Vampirin“. Der Zeichenstil ist insgesamt sehr ähnlich wie in eben genanntem Werk. Der Manhwa ist eine gute Mischung aus Perversität mit Humor und den vollkommenen Denken eines jungen Mannes. Kurz gesagt, ein Werk, welches besonders das männliche Publikum begeistern wird.

Two Face: © 2001 Lee You Jong, Sigongsa / Achterbahn

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Träume von Glück

Name: Träume von Glück
Englischer Name:
Originaltitel: Inu Wo Kau
Herausgebracht: Japan: Shogakukan 1992
Deutschland: Carlsen 2008
Mangaka: Jiro Taniguchi
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 14,00 €

Träume von GlückStory
Ein junges Ehepaar ist frisch verheiratet. Gemeinsam erfüllen sie sich lang gehegte Wünsche: Ein Haus am Stadtrand, ein großer Garten und ein kleiner Hund, den sie Tamutamu nennen. Das Glück ist perfekt!

14 Jahre später ist noch fast alles wie früher. Nur „Tamu“, der kleine Hund von früher, ist mittlerweile alt und gebrechlich. Mit den Jahren hat er immer mehr von seiner früheren Beweglichkeit eingebüßt. Über verschiedene Methoden versuchen sein Herrchen und Frauchen ihrem heißgeliebten Hund das Leben zu erleichtern. Während die Versuche anfangs noch erfolgreich sind, wird nach und nach immer deutlicher, dass ihr Freund langsam, aber sicher, am Ende seines Lebens angelangt ist.

Als Tamu schließlich auch noch krank wird, ist es mit den ruhigen Nächten des Paares vorbei. Trotzdem dauert es noch Monate des dahin Vegetierens, bis der Hund durch den Tod von seinen Leiden erlöst wird. Durch die gemeinsame Sorge um den besten Freund haben aber die Ehepartner wieder zusammen gefunden. Doch es wird sehr lange dauern, bis sie seinen Tod verwunden haben werden.

Einige Zeit nach Tamus Tod kommt die Nachbarin Frau Miyamoto vorbei. In ihrer Eigenschaft als Mitglied des Tierschutzvereins versucht sie, ausgesetzte Tiere zu vermitteln. Das Ehepaar ist skeptisch. Eigentlich möchten sie kein Haustier mehr, um nicht noch einmal so einen Leidensweg wie bei Tamu miterleben zu müssen. Eines Tages steht Frau Miyamoto jedoch mit einer einjährigen Perserkatze vor der Tür, die niemand haben möchte. Eigentlich möchte sich die junge Ehefrau auch diesmal nichts aufschwatzen lassen. Als sie von dem schrecklichen Schicksal des Tieres hört, nimmt sie die Katze schließlich doch in ihrem Haus auf.

Bald stellt sich jedoch heraus, dass Boro, so der neue Name des Tieres, schwanger war. Nach wenigen Wochen kommt sie mit drei hübschen kleinen Kätzchen nieder. Da ihnen die Arbeit über den Kopf zu wachsen droht, beschließt das Pärchen, zwei der Kleinen an Interessierte zu vermitteln. Laut Frau Miyamoto angeblich gar kein Problem. Doch schon nach dem Verschwinden eines ihrer Jungen zeigt sich, dass Boro sehr wohl deren Fehlen bemerkt und seelisch dadurch sehr erschüttert ist…

Außerdem ist da noch die ältere Nachbarin mit dem alten, gebrechlichen Hund, dessen Leidensweg das Ehepaar stark an Tamus erinnert. Ein Abschließen im Kopf scheint unmöglich…

Eigene Meinung
„Träume von Glück“ ist eine Sammlung von fünf Kurzgeschichten von Jiro Taniguchi. Während die ersten vier Geschichten inhaltlich aufeinander aufbauen und die selben Charaktere beinhaltet, erzählt die letzte Story eine ganz und gar andere Handlung, die aber noch am ehesten zum Titel des Gesamtbandes passt.

In den ersten Geschichten steht das Leben eines Ehepaars mit Tieren im Mittelpunkt. Das namenlose Ehepaar steht stellvertretend für alle anderen in der gleichen Situation.
Im Anschluss daran zeugt eine geradezu fantastische Geschichte um Träume, Freiheit und Lebensgefühl davon, dass man sein Ziel auch noch erreichen kann, wenn man es aus den Augen verloren hat. Während die vorigen Handlungen realistisch und alltäglich sein, wirkt die Thematik de Bergsteigens etwas deplatziert, ist aber eine gelungene Abwechslung.

Die deutsche Version wurde von Carlsen als „Graphic Novel“ in größerem Format herausgebracht und enthält spärlich colorierte Farbseiten. Mit 14 € ist der Band dafür allerdings auch ausgesprochen teuer.

Tierbesitzern oder solchen, die es noch werden wollen, kann ich dieses Werk nicht empfehlen. Gerade das erste Kapitel rund um Tamus letzten Monate zeigt den Zerfall eines geliebten Freundes so anschaulich und gefühlvoll, dass man sich nach der Lektüre fragt, ob Sterbehilfe nicht die passendere Antwort gewesen wäre.

© Rockita

Träume von Glück: © 1992 Jiro Taniguchi, Shogakukan / Carlsen

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Tokyo Inferno

Name: Tokyo Inferno
Englischer Name:
Originaltitel: Kanojo wo Mamoru 51 no Houhou
Herausgebracht: Japan: Shinchosha 2006
Deutschland: Tokyopop 2010
Mangaka: Usamaru Furuya
Bände: 2 Bände
Preis pro Band: 16,95 €

Tokyo Inferno Band 1Story
Der 21-jährige Jin Mishima ist ein ganz normaler Durchschnittsstudent der Keio-Universität. Da er kurz vor seinem Abschluss steht, macht er sich nun auf die Suche nach einem Arbeitsplatz. Sein größter Traum ist es, beim Fernsehen zu arbeiten, daher bewirbt er sich um eine Stelle bei Asahi TV. Zu seiner Freude wird er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

In Odaiba, dem Sitz des Fernsehsenders, ist Jin als „Normalo“ die Ausnahme. Allerhand abgefahrene Gestalten, Sensationswütige und Touristen geben sich auf überfüllten Plätzen die Ehre. Darunter ist auch Nanako, eine ehemalige Klassenkameradin und Jugendliebe Jins, die unter dem Nickname „Loliko“ zur Gothic Lolita Szene gehört. Nanako war zu Mittelschulzeiten ein Opfer von „Ijime“, Hardcore-Mobbing. Durch die Musik der Gothic-Band Sarin Helnwein fasste sie wieder neuen Lebensmut.

Aber auch in ihrer neuen Clique holt sie ihre Vergangenheit ein. Als Nanako von anderen SH-Fans drangsaliert wird, schreitet Jin ein. Während sich die beiden noch austauchen, geschieht das Unfassbare: Tokyo wird von einem Erdbeben der Stärke 8 heimgesucht. Speziell Odaiba liegt nach dem minutenlangen Beben in Trümmern. Zwar können die Freunde mit dem Schrecken davon kommen, aber sie haben keine Ahnung, wie sie nach Hause kommen sollen. In dieser Situation trifft Jin eine Entscheidung: Er wird bei Nanako bleiben und ihr helfen, komme was wolle.

Schnell zeigt sich, dass das Unglück viel mehr Opfer gefordert hat, als anfangs angenommen. Es gibt zahlreiche Tote und Verletzte. Jin stürzt sich sofort ins Getümmel und hilft, wo er nur kann. Dabei macht er Erfahrungen, die ihn sein ganzes Leben begleiten werden. Er beschließt, mit Nanako zur Station von Asahi TV zu gehen, wovon er sich Hilfe verspricht. Da diese Entscheidung gleichbedeutend damit ist, die zahlreichen noch ungeborgenen Verletzten zurückzulassen, schwört er, zumindest Nanako zu beschützen.

Tokyo Inferno Band 2Gemeinsam machen sich die beiden auf den gefährlichen Weg durch das zerstörte Tokyo…

Eigene Meinung
„Tokyo Inferno“ ist ein bedrückend realistisches Endzeit-Werk von Usamaru Furuya. Gerade für Japaner, die mit der ständigen Gefahr eines möglichen Erdbebens konfrontiert leben, dürfte dieses Werk ein absolutes Horror-Szenario darstellen. Durch den aus architektonischer Sicht katastrophalen Untergrund Tokyos – der authentisch beschrieben wird – genügt das Erdbeben, um die Stadt in Trümmer zu legen und die Bevölkerung von lebenserhaltenden Errungenschaften abzuschneiden.

Die Charaktere Jin und Nanako (und später auch Rika) machen eindrückliche Erfahrungen, die ihr ganzes Lebensbild verändern sollen. Die Charaktere machen augenscheinliche Reifeprozesse durch. Da gibt es den „Normalo“ Jin, der während der Katastrophe zum selbstlosen Krisenhelfer wird, zu jemandem, den es psychisch stark mitnimmt, dass er nicht jedem einzelnen Menschen helfen kann. Während er vorher häufig wegsah, fühlt er nun mit seinem Gegenüber.

Nanako, die früher immer das Opfer war, der es am schlechtesten ging und die sich an ihre Lolita-Identität wie an einen Rettungsring klammert, gewinnt langsam aber sicher wieder ihren Bezug zur Realität zurück. Und schließlich lernt das Mode-Girl Rika, dass es Moment gibt, in denen Überheblich und Berechnung fehl am Platze sind.

„Tokyo Inferno“ zeigt das Unglück in bedrückenden Bildern, mit viel Schmerz und persönlichen Schicksalen, aber auch immer mit der Hoffnung am Horizont und den „kleinen Helden“ der Katastrophe, die – im Gegensatz zu den „Helden“ des Alltags – alles geben, um zu helfen.

© Rockita

Tokyo Inferno: © 2006 Usamaru Furuya, Shinchosha / Tokyopop

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The Chronicle of the Clueless Age

Name: The Chronicle of the Clueless Age
Englischer Name:
Originaltitel: Shōnen Shōjo Hyōryōki
Herausgebracht: Japan: Shueisha 2005
Deutschland: EMA 2013
Mangaka: Story: Otsuichi
Zeichnungen: Usamaru Furuya
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 15,00 €

The Chronicle of the Clueless AgeInhalt und Eigene Meinung
„The Chronicle of the Clueless Age“ erzählt die Geschichten einiger Oberschüler in Japan. Die Handlungen von sehr unterschiedlicher Länge (wenige Seiten bis zu mehreren Kapiteln) thematisieren die Suche der Jugendlichen nach Anschluss in der Klassengemeinschaft, nach Bestätigung, aber auch nach der Art und Weise, wie sie in Zukunft leben möchten.

Eines haben alle Protagonisten gemeinsam: Sie flüchten sich vor ihren Problemen in Traumwelten. Nur zum Teil werden auch die Hintergründe der Teenager für ihre Flucht in eine Fantasiewelt thematisiert. Die Bandbreite ist unheimlich groß – von vergleichsweise „normalen“ Problemen, mit denen (nicht nur in der Pubertät) wohl die meisten konfrontiert gewesen sein dürften, bis zu traumatischen Erlebnissen aus der Vergangenheit, denen man in der Realität wohl mit einer Therapie begegnen würde. Der Leistungsdruck am Ende der Schulzeit wegen Noten, die über die ganze Zukunft entscheiden können, wird ebenso thematisiert wie Abnehmwahn, Selbstmordgedanken oder die Auswirkungen sexuellen Missbrauchs auf die Kinderseele.

Da ist beispielsweise Saki, die sich nach einer Vergewaltigung und Abtreibung in ihre sorglose Kindheit zurücksehnt und sich darum vorstellt, nach wie vor sechs Jahre alt zu sein. Da sind Katsumi, die sich von ihrer Mutter allein gelassen fühlt und Asami, die nach einer Abmagerungskur Wahnvorstellungen vor Hunger entwickelt. Oder Naotsugu, der sich krampfhaft an seine Vorstellung von Freundschaft klammert, obwohl er selbst in seiner Klasse keine Freunde hat.

Es ist eine Suche nach der Straße zum Erwachsenwerden, weg von der „ahnungslosen“ Kindheit hin zur Realität. Sich dem Unbekannten zu stellen, ja stellen zu müssen, um das Leben in Zukunft meistern zu können, ist eine der Hauptbotschaften des Bandes, der die einzelnen Jugendlichen im letzten Kapitel auf surreal anmutende Weise in einem Tornado zusammenführt.

Für das Werk verantwortlich zeigen sich Otsuichi, bekannt als Autor gefühlvoller Dramen, sowie (nicht nur) für die Zeichnungen Usamaru, der sich hierzulande vor allem durch sein Endzeit-Erdbeben-Drama „Tokyo Inferno“ einen Namen gemacht hat. Letzter kann sich durch mehrere Wirbelstürme und ein Erdbeben zeichnerisch wieder im gewohnten Feld bewegen. Gemeinsam wurden die Geschichten erarbeitet, die irgendwie gar nicht zu Otsuichis ruhiger, fast getragener Schreibe passen. Usamarus Einfluss ist unübersehbar, was etwas schade ist, wenn man den Band mit anderen Erwartungen in die Hand nimmt. Im Anhang gibt es außerdem ein Interview mit den Autoren zu lesen

Die deutsche Ausgabe erscheint im edlen Schuber mit Hochglanzornamenten als Verzierung. Das hat seinen Preis: 15 Euro muss man so für den großformatigen Band auf den Tisch legen. Etwas viel für einen Einzelband, zumal der eigentlich Band selbst, außerhalb des Schubers, optisch eher negativ auffällt und innerlich auch keine Farbseiten oder Ähnliches enthält (das Interview ist sogar komplett ohne Bildmaterial), was den hohen Preis zusätzlich rechtfertigen könnte.

Insgesamt enttäuscht der Band ein wenig. Statt des erwarteten realistischen Dramas muss man sich an viel Surrealität gewöhnen, was nicht jedermanns Geschmack ist. Für Fans des „etwas anderen“ dagegen ist dieser Band sehr zu empfehlen.

© Rockita

The Chronicle of the Clueless Age: © 2005 Furuya x Otsuichi x Usamaru Shueisha / EMA

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