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Am 27. Oktober machte ich mich durch eine traumhafte Winterlandschaft auf zur "unserer" letzten Convention für dieses Jahr, der J-Con in Merzig im westlichen Saarland. Dort angekommen erwarteten mich gleich mehrere Überraschungen:
Um Jan Weber von Animexx und der Orga-Leitung zu zitieren: "Wir [J-Con-Orga] haben ein Abkommen mit Petrus. [...] Schöneres Wetter könnte heute gar nicht sein." Damit meinte er nichts anderes, als dass Merzig den Wintereinbruch irgendwie verpasst hatte. Nicht nur lag dort kein Schnee, es schien auch die Sonne - was bereits zehn Kilometer ostwärts ganz anders aussah. Gute Voraussetzungen also, dass die Besucherzahl durch die Witterung nicht allzu stark beeinträchtigt werden sollte.

Kaum in der Halle angekommen, wurde ich gleich Zeuge einer neuen technischen Innovation: Eintrittskarten mit Code zum Scannen! Wer eintreten wollte, musste sich also zunächst seine Karte abholen, dann zum Scanner gehen und sich als "anwesend" scannen lassen. Wie mir kurz danach stolz berichtet wurde, werden die Daten bei der Anmeldung zudem gleich in eine entsprechende Datenbank übertragen. So können problemlos und übersichtlich Daten zu den Gästen abgefragt werden: Ist der betreffende Gast wirklich auch gekommen oder hat er sich nur angemeldet? Wurde der Ticketpreis schon überwiesen? etc. Ferner erleichtere die Datenbank den Schriftverkehr zwischen Orga-Team und Usern durch das automatische Versenden von Standard-Mails (z.B. "Anmeldung erhalten", "Zahlung eingegangen") Beim Verlassen der Halle musste man sich gleichfalls per Scan abmelden.
Diese Technik soll nun auch auf weiteren Cons, sicher aber auf der Hanami im Mai 2011 zum Einsatz kommen. Hier ein Foto vom stolzen Entwickler Nico mit seinem Werk:



Die Convention wurde eröffnet von einer kurzen Begrüßungsansprache (vor einem knappen Dutzend Zuschauer) durch den Moderator des Tages, Comedian Shinji Schneider, der damit eine weitere Berufung für sich entdeckte.



Überdurchschnittlich stark brachten allerhand Händler ihre Ware an den Mann bzw. die Frau. Als Fan konnte man alles finden, was das Herz begehrt. Besonders erwähnt werden sollte der Second-Hand-Videospiel-Tisch, an dem es neben Spielen für alle gängigen Konsolen sogar alte Game Boy Spiele gab.
Ferner wurden ein "Bring&Buy"-Stand, eine Videospielecke, ein Maid-Café mit Manga-Bibliothek, kostenloser Internetzugang sowie eine Karaoke-Ecke angeboten.



Cosplayer waren in Merzig deutlich weniger unterwegs als auf anderen Conventions. Bis zu einem gewissen Teil lag dies sicherlich am Wetter. Acht der schönsten Kostüme wollen wir dennoch nicht vorenthalten:



Das eigentliche Programm startete erst am Nachmittag mit dem obligatorischen Cosplay-Wettbewerb in den Kategorien "Einzel" und "Gruppen". Laut Anmeldung gab es für beide Konkurrenzen auch ausreichend Teilnehmer. Tatsächlich anwesend waren aber weit weniger. So bildeten nur zwei Mädels den Einzel-Cosplay, dafür aber immerhin sechs Paare die "Gruppen".



Die Gewinner wurden später am Nachmittag gekürt. Leider waren zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere TeilnehmerInnen abgereist.



Nach einer etwas längeren Pause, die aus dem stark gekürzten Cosplay-Wettbewerb herrührte, stand der Karaoke-Wettbewerb an. Die Besonderheit dabei war, dass alle Teilnehmer und auch das Publikum einen Joker hatten: Wer ein zufällig ausgewähltes Lied nicht singen wollte, durfte einmal tauschen. Auch die Mehrheit des Publikums konnte ein Lied ablehnen, das sie nicht hören wollten. So dauerte das Auswahlverfahren allerdings etwas länger. Dafür waren die letztlich gesungenen Lieder meist um einiges lustiger als die ersten. Gag-Songs wie Helge Schneiders "Käsebrot" sorgten für Unterhaltung und Wolfgang Petrys "Verlieben Verloren Vergessen Verzeih'n" für einen versöhnlichen Abschluss.
Da der Wettbewerb aus Zeitgründen nicht abgeschlossen werden konnte, wurden alle mutigen Teilnehmer mit einem kleinen Preis belohnt.
Leider war der gelungene Wettbewerb nicht gut für Fotos, da die Sänger in der Mitte des Saals beim Projektor stehen mussten und nicht auf der Bühne.



Nach einem eher spärlich frequentierten Game-Wettbewerb "on Stage" und einer längeren Pause stand der erste Showact für den Abend an: Die Gesang- und Showgruppe Ongaku no kara, die in Merzig zu fünft in akustischer Besetzung ein abwechslungsreiches Programm boten. Mit deutschen, japanischen und englischen Songs und witzigen Einlagen, wie einer Mischung aus "Pokemon"-Intro und "Satelight" von Lena Meyer-Landrut, unterhielten sie die Zuschauer. Leider füllte sich der Raum auch nach Bitten von der Bühne nicht mehr, die Veranstaltung war daher mit knapp 30 Personen im Publikum gnadenlos unterbesetzt. An der Qualität änderte dieser Umstand freilich nichts.




Nach beträchtlicher Wartezeit öffneten sich die Tore der Halle schließlich zum unumstrittenen Highlight der Convention: Dem letzten Konzert der Kult-Truppe Chibi Chibi XXX, die in halbierter Besetzung ein "Best of"-Programm aus ihrer vergangenen Karriere zum Besten gaben. Hits wie "Wenn HP ein Manga wär", "Wir fahren auf die Con" oder "City Hunter" sorgten für Schreie aus dem (glücklicherweise wieder etwas aufgestockten) Publikum. Wahrscheinlich niemand hätte dieses kleine Revival für möglich gehalten. Hier wurde ein Schlusspunkt gesetzt, an den man sich noch einige Zeit erinnnern wird.
Schade, dass aufgrund der vorgerückten Stunde nicht mehr Besucher noch vor Ort waren...



Shinji Schneider war nicht alleine angereist: Hartgesottene Shinji-Anhänger forderten: Keine Con mehr ohne ihren Liebling, denn: "Ohne Shinji ist jede Con doof".




Fazit
Kleine Verhältnisse haben auch etwas für sich. In Merzig bedeutet das nicht anderes, als dass aus Wenigem viel herausgeholt wird. Besonders die Helfer und Organisatoren, aber auch die eingeladenen Gäste strahlen Kreativität und guten Willen aus, um die Con zu einem achtenswerten Rotstiftmoment auf dem Kalender werden zu lassen. Die Innovationen dieses Mal waren unübersehbar, nicht nur aufgrund der technischen Neuerungen.

Kleinere praktische Verbesserungen könnten sicher noch geleistet werden (eine Garderobe im Winter z.B.). Klar hätte man auch das Programm etwas straffen oder einfach um zwei Stunden vorziehen können. Dann wären evt. mehr Gäste geblieben.

Im Endeffekt wurde aber denen, die da waren, ein solides Programm bei einer regionalen Con geliefert. Im Moment läuft die Umfrage, ob die J-Con nun jährlich stattfinden soll: Abstimmen ist ausdrücklich erwünscht.

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