|
|
 |
|
 |
|
 |
|
|
 |
 |

Wir haben wieder zugeschlagen. Beim diesjährigen Comic-Salon in Erlangen haben wir es für euch geschafft, einen Platz in der heißbegehrten Pressekonferenz mit dem Zeichner einer der beliebtesten und bekanntesten Manga-Serie der Welt, Detektiv Conan, zu führen. Wie ihr euch jetzt schon denken könnt, ist die Rede von keinem anderen als dem "King of Manga-Crime" Gosho Aoyama, der mit seiner Frau Minami Takayama angereist war um sich das Fußballspiel Japan-Kroatien anzusehen und nebenbei die Herzen der deutschen Fans höher schlagen ließ.
Von letzterer gibt es übrigens auf Wunsch des Paars keinerlei Bildmaterial und Stellungnahme (;.;), was euch jetzt aber nicht den Spaß an den folgenden Informationen nehmen soll. Die Fragen stellten Jounalisten von Internet-Fanseiten, Zeitungen und EMA selbst.
Frage: Wie gefällt Ihnen Ihr Deutschlandbesuch bisher? Welche Eindrücke haben Sie bisher gewonnen von unserem Land und dem Comic-Salon im Besonderen?
Gosho Aoyama: Es gefällt mir sehr gut hier. Die Messe ähnelt einem japanischen Event dieser Art. Und Deutschland hat das Image, dass es sehr gute Würste hier gibt. ;-)
Frage: In Band 42 steht, dass "Detektiv Conan" nun auch in Amerika unter dem Namen "Case Closed" erschienen ist. Manche Elemente der Fälle in dieser Serie sind allerdings stark mit der japanischen Kultur verwurzelt. Dem westlichen Leser bleibt dadurch natürlich viel verborgen. Denken Sie, dass dadurch gerade in Amerika die Serie falsch oder schlechter aufgenommen würde?
Gosho Aoyama: Hmm... Natürlich gibt es manche Fälle und bestimmte Sachen darin, die eher für Japan und Japaner gedacht sind. Ich kann allerdings nicht sagen wie viel, bei so vielen Files, aber die meisten sind letztendlich doch für alle bestimmt. Das, was den Krimi ausmacht, ist ohnehin für alle Leser. Da kann jeder miträtseln, Europäer wie Amerikaner und das müsste auch jedem verständlich sein.
Frage: Haben Sie sich schon überlegt, wie der Manga irgendwann ausgehen wird? Haben Sie konkrete Vorstellungen und haben Sie schon eine "Richtlinie" wie viele Bände denn noch folgen sollen?
Gosho Aoyama: Ich habe im Moment noch überhaupt nichts vom Ende festgelegt, auch nicht wie viele Bände es geben wird. Außer die allerletzte Szene, die habe ich schon im Kopf!
Frage: Wie kommen Sie auf die Ideen zu den Konstruktionen und Arrangements bei den Morden in "Detektiv Conan"?
Gosho Aoyama: Am Anfang bespreche ich die Fälle mit meinem Redakteur. Die Ideen allerdings stammen aus dem normalen Leben oder aber aus einfachen Alltagssituationen. Zum Beispiel klappen die Männer auf der Toilette immer die Klobrille hoch, die Frauen nicht, das wäre ein Ansatz auf dem man aufbauen könnte. Dadurch kann man ja das Geschlecht desjenigen, der die Toilette zuletzt benutzt hat, erschließen. Durch solche Kleinigkeiten komme ich an die Ideen.
Frage: Wie haben Sie Ihre Familie in Ihren Arbeitsalltag integriert? Hat sie für Sie einen höheren Stellenwert als Ihre Arbeit.
Gosho Aoyama: Ich muss leider gestehen, dass ich während der Arbeit kaum zu Hause auftauche. In einer Arbeitsphase bin ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Aber ich lasse mir gerne von meiner Frau die Kleider aussuchen.
Frage: Wann wird Conan enden?
Gosho Aoyama: Da ist noch überhaupt nichts festgelegt.
Frage: Eine Frage, die viele Fans sehr beschäftigt, ist die der Zeitrechnung in "Detektiv Conan". Sie sagten vor einiger Zeit in einem Radio-Interview, dass die Zeit in der Serie nicht weiter laufen würde, Conan also immer Erstklässler bleibt. Vor einiger Zeit wird allerdings in einem neueren File erwähnt, dass Shinichi bereits ein Jahr Conan ist. Haben Sie Ihre Pläne geändert?
Gosho Aoyama: Nein, ich habe nichts geändert. Er wird nicht älter werden. Conan wird immer Grundschüler bleiben. Die Serie bleibt im gleichen Jahr.
Frage: In Ihren Fällen kommen oft sehr spezielle Informationen zu bestimmten Dingen oder Sachverhalten vor. Bereiten Sie sich dann speziell auf diesen Fall vor? Wenn ja, wie? Oder beruhen alles auch auf ihrem Wissen?
Gosho Aoyama: Leider nicht. In der Regel mache ich vor einem neuen Fall eine Internet-Recherche zu dem Thema, das ich herausheben möchte oder bereite mich auf anderem Weg konkret vor, zum Beispiel durch Fachliteratur. Wenn ich weiß, dass etwa eine Explosion einer Bombe vorkommen wird, schaue ich mir verschiedene Bilder im Internet von Explosionen an um diese auch zeichnerisch authentisch wieder zu geben. Oder wenn Hunde vorkommen, kaufe ich mir Bücher über Hunde. Conan ist ein sehr pfiffiger Detektiv, aber ich bin es nicht. ;-)
Frage: "Conan" ist auch bei jüngeren Kindern sehr beliebt. Haben Sie eine Botschaft an diese Kinder, die Sie durch die Serie mitteilen?
Gosho Aoyama: Ja, man darf keine Menschen, bzw grundsätzlich nicht töten. Aber man soll auch niemals aufgeben.
Frage: Sie sind durch "Detektiv Conan" in wirklich kurzer Zeit sehr berühmt geworden. Ist das eine Ausnahme in Japan oder passiert so ein Durchbruch immer wieder mal? Was ist das für ein Gefühl für Sie?
Gosho Aoyama: Also, es ist schon etwas ganz besonderes, dass ich so schnell berühmt wurde und dass dieser Erfolg auch anhält. Normalerweise ist es so, dass der Erfolg nach ein paar Jahren spätestens abbricht.
Frage: Sie haben ja früher ganz andere Genre gezeichnet, zum Beispiel Sport. Ist der Krimi als Genre das Ziel, zu dem Sie hin wollten, weil Ihnen das auch liegt oder war das eher ein Zufall, dass Sie dazu gekommen und auch noch berühmt damit geworden sind?
Gosho Aoyama: Der Krimi ist für mich eigentlich der ideale Manga. Hier kann ich alles möglich einbringen. Wenn ich zum Beispiel etwas über Baseball zeichnen möchte, dass löst Conan den nächsten Fall eben im Baseball-Stadion. Wenn an so einem Ort etwas passiert, kann ich im Hintergrund dann zum Beispiel Baseball-Szenen malen, habe aber gleichzeitig den Krimi.
Frage: Nehmen Sie "Strömungen" von anderen Manga oder auch Comics, z.B. aus Amerika auf?
Gosho Aoyama: Ich schaue mir sehr gerne Disney-Filme an. Aber auch Snoopy gefällt mir. Das verfolgt mich schon ein bisschen. Durch die Bilder werde ich vielleicht etwas beeinflusst, aber was die Story betrifft nicht.
Frage: Was mich beeindruckt, ist, dass in kurzer Zeit viele Geschichten entstehen. Wie muss man sich die praktische Arbeit vorstellen? Wie ist die Arbeitsteilung zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitern?
Gosho Aoyama: Wie schon gesagt, bespreche ich die Stories, also worum es gehen soll, mit meinem Redakteur. Dann wird ein vorläufiger Ablaufplan erstellt. Erst danach geht es ans Zeichnen. Hierbei habe ich fünf Assistenten, die mir zur Hand gehen. Da zeichnet zum Beispiel einer den Hintergrund, ein anderer malt die schwarzen Haare der Figuren aus oder auch mal ein dunkles Jackett.
Frage: Aber Conan zeichnen Sie selbst?
Gosho Aoyama: Ja. Ich male auch selbst aus. Nur die Figuren oder Hintergründe, an denen wirklich viel schwarz ist, überlasse ich meinen Assistenten.
Frage: Die deutschen Mangaka haben einen sehr engen Kontakt zu ihren Lesern, sei es auf Conventions, aber auch durch Fan-Briefe. Bei Ihnen kommen bestimmt sehr viele Briefe mehr an. Können Sie das überhaupt noch bewältigen? Und wenn ja, wie schaffen Sie das?
Gosho Aoyama: Ja, es sind schon viele Briefe. Gewöhnlich erhalte ich 80 Briefe und Mails von Fans pro Woche. Normalerweise lese ich alle. Natürlich kann ich nicht alle beantworten. Aber an Neujahr erhalten alle von mir eine Neujahrskarte [Anmerkung: Festlicher Brauch in Japan an Freunde und Verwandte]. Vor allem am Valentinstag bekomme ich viel Post.
Frage: Ihre Charaktere sind sehr vielschichtig und individuell. Haben Sie reale Vorbilder?
Gosho Aoyama: Nein, keine realen.
Frage: Haben Sie sich schon die Messe und die anderen Zeichner hier genauer angesehen? Könnten Sie sich vorstellen mal mit einem zusammen zu zeichnen?
Gosho Aoyama: Ich bin ein bisschen "rumgefallen". Ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt, mich umzusehen. Ob ich mich dazu entschließen könnte, mit jemandem hier zusammen zu arbeiten, hängt natürlich vom Projekt ab. Aber grundsätzlich dagegen wäre ich nicht.
Frage: In der Regeln kommt ein großer Erflog plötzlich und unerwartet. Aber manchmal hat man so das Gefühl beim Zeichnen, dass seine Arbeit etwas an sich hat, was erfolgsversprechend ist. Haben Sie so ein Gefühl gehabt, dass die Serie so ein Erfolg wird?
Gosho Aoyama: Ich muss auch zugeben, dass ich mit diesem durchschlagenden Erfolg niemals gerechnet hätte. An Anfang meiner Arbeit an "Conan", dachte ich: "Der Erfolg ist sicher in drei Monaten vorbei"
Frage: Zehn Jahre "Detektiv Conan" als Anime, zwölf Jahre als Manga. Was bedeutet das für Sie?
Gosho Aoyama: Conan ist für mich DAS Werk, mein Lebenswerk.
Frage: Dann die Abschlussfrage: Herr Aoyama, Sie sind hergekommen um sich das morgige Fußballspiel anzusehen, Japan gegen Koratien. Was haben Sie für einen Tipp für das Match?
Gosho Aoyama: Ich wünsche mir, dass Japan gewinnt. Ich hoffe auf 2:0. :-) Aber sicher bin ich mir nicht.
Auf dem Bild (von links) : Kyoko, Gosho Aoyama, Rockita |
|
|
 |
|