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Nach zwei Wochen ungewollter Verspätung präsentieren wir euch an dieser Stelle das Interview mit Judith Park, der Autorin von Dystopia und Y Square, einer der ersten deutschen Mangaka, die den Durchbruch schafften. Ermöglicht wurde uns das Interview durch die freundliche Unterstützung von Carlsen Comics und der Bereitschaft Judiths uns, trotz eines mehr oder weniger engen Zeitplans, Rede und Antwort zu stehen. Für beides möchten wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken.
Mangasection (MS): Beginnen wir mit der berühmten Standartfrage: Wie bist du zum Zeichnen gekommen?
Judith Park: Ich zeichne oder male schon seit ich einen Stift halten kann. Früher habe ich immer Disney-Figuren gezeichnet, z.B. Arielle. Mit 13 war ich Fan der Serien "Sailor Moon", "Lady Oscar" und anderer Anime. So bin ich dann zum Manga-Bereich gekommen.
MS: Hattest du Vorbilder?
Judith Park: Ich hatte schon Vorbilder. Damals habe ich gerne Computerspiele im Anime-Stil gespielt. Von Manga-Zeichnern her waren meine Vorbilder Masato Shiro und Miyamoto. Die Bilder von ihnen haben mich einfach total fasziniert. Heute sind auch noch Vorbilder in der Comic-Richtung dazu gekommen. Ich versuche einfach einen kreativen Stil zu entwickeln.
MS: Gibt es für deine Charaktere auch reale Vorbilder?
Judith Park: Eins-zu-eins Vorbilder gibt es nicht. Aber ich gucke immer viel bei Freunden, wie die sich verhalten und überlege mir auch, wie ich mich in einer bestimmten Situation verhalten würde. Ich nehme dann hier und da eine Eigenschaft heraus.
MS: Also kannst du dich auch selbst mit ihnen identifizieren?
Judith Park: Manchmal ja. Wenn ich gerade eine Szene zeichne und mir überlege, wie ich mich verhalten würde. Ich nehme auch von mir teilweise Sachen.
MS: Wie bist du eigentlich zu den Titel zu deinen Werken gekommen?
Judith Park: Bei "Dystopia" liegt der Ursprung in der Schule. Damals haben wir in Englisch über Utopia und Dystopia gesprochen. Mir hat der Begriff damals einfach gut gefallen und weil er so gut zu meiner Geschichte gepasst hat, habe ich ihn genommen. Und bei "Y Square" dachte ich mir, dass ich ja eine Geschichte über zwei Jungen mache. Der eine ist homosexuell, der andere hetero, beide Namen beginnen mit dem Anfangsbuchstaben Y. Was liegt da näher als das "Feld" zwischen beiden?!
MS: Wo wir gerade bei der Schule waren: In einem "Daisuki"-Interview hast du mal gesagt, dass du gerne Lehramt studieren würdest. Was ist daraus geworden?
Judith Park: Ich studiere noch Lehramt auf Biologie, aber ich zeichne ja hauptsächlich und ich hab gemerkt, dass das (Lehramt, Anm. d. Red.) eigentlich nicht das Richtige für mich ist. Ich will mich dieses Jahr noch bei einer Animationsschule in Köln bewerben, wo man die Trickfilmschmiede lernen kann. Das liegt mir mehr als ein Lehramtstudium.
MS: Du wirst jetzt also schon weiter zeichnen? Hast du eventuell einen Alternativplan, wenn irgendetwas nicht funktionieren sollte?
Judith Park: Ich werde auf jeden Fall erst einmal weiter Manga zeichnen. Mein Alternativplan ist diese Animationsschule, wo ich mich bewerben und hoffentlich angenommen werde. Das werde ich dann in diese Richtung ausweiten. Storyboardzeichnen zum Beispiel. Es gibt ja so viel, was man machen kann.
MS: Deine bisherigen Werke waren alle in den Genre-Bereichen Liebe, Freundschaft, Shojo etc. Hast du vor in Zukunft einmal eine Serie aus einem anderen Bereich, z.B. Fantasy zu zeichnen?
Judith Park: Ich habe schon Lust mal eine andere Richtung auszuprobieren, aber ich lege mich da noch nicht fest. Ich würde gerne mal eine Action- oder Fantasy-Manga machen, aber ich glaube, dass mir dazu noch die Erfahrung fehlt. Dafür muss man einfach mehr drauf haben, gerade bei der Story von Shonen-Serien im Vergleich zu Shojo-Serien und wenn ich soweit bin, werde ich auf jeden Fall etwas in der Richtung machen.
MS: Christina Plaka war ja früher auch bei Carlsen. Nachdem einige Mitarbeiter der Carlsen-Crew zu Tokyopop gingen, wechselte auch sie den Verlag. War ein Wechsel für dich auch ein Thema?
Judith Park: Für mich war das kein Thema. Ich komme mit meiner Redakteurin sehr gut aus. Sie ist eigentlich die perfekte Redakteurin, daher hatte ich keine Grund zu wechseln.
MS: Was wirst du in nächster Zeit zeichnen?
Judith Park: Ich arbeite gerade an einem Manga. Wir wissen noch nicht genau, was da kommt, aber es wird wohl keine Fortsetzung von Y Square.
MS: Wirst du in Zukunft eine längere Serie machen?
Judith Park: Also Y Square wird ja nach diesem Band abgeschlossen sein. Danach haben meine Redaktuerin und ich schon vor, etwas längeres zu machen. Die neue Serie wird vermutlich im Herbst diesen Jahres in der Daisuki erscheinen.
MS: Wie kommst du mit den anderen deutschen Zeichnern aus? Kennst du sie alle persönlich? Wie verstehst du dich mit ihnen, jetzt mal abgesehen von Christina Plaka?
Judith Park: Ich finde die Gemeinschaft der deutschen Zeichner ziemlich familiär. Jeder kennt jeden, versteht sich mit jedem und dabei spielt es auch keine Rolle, wer bei welchen Verlag ist. Man tauscht sich natürlich auch gerne aus und es freut mich immer, wenn wir uns treffen.
MS: Wie fühlt man sich, wenn man eine von nur einer Hand voll Zeichnerinnen ist, die tatsächlich den Durchbruch auf dem Mangamarkt geschafft hat, bzw. deren Name auch wirklich bekannt ist?
Judith Park: Ich finde es wahnsinnig schön, dass meine Manga so gut ankommen und ich freue mich natürlich auch darüber, aber ich mache eigentlich nichts anderes als früher. Ich zeichne so, wie ich es mein ganzes Leben lang gerne gemacht habe und es auch jetzt noch tue. Dass das, was ich zeichne gut ankommt, ist einfach ein schöner Nebeneffekt.
MS: Gehen wir nun zu "Dystopia" über: Der Charakter Gabriel ist ein Klon. Wie stehst du persönlich zur Genforschung?
Judith Park: Ich kann mich da eigentlich nicht festlegen. Man kann das natürlich totdiskutieren, das haben wir ja in der Schule gemacht und gerade deswegen fand ich es ja so faszinierend. Es ist natürlich schwer, wenn man einen Menschen klont, der dann für einen anderen herhalten muss, das ist natürlich schon ziemlich bitter. Aber wenn ich in der Situation und z.B. querschnittsgelähmt wäre, würde ich mich natürlich schon freuen, wenn es durch Stammzellen Heilung gäbe, auch wenn dafür ein Embryo sterben müsste. Wenn es für mich selbst Heilung bedeuten würde, würde ich das natürlich wollen, aber so im Allgemeinen würde ich es nicht machen.
MS: Der Tod des Bruders in der Serie kam ja sehr überraschend. Die Beziehung zwischen ihm und der Freundin der Hauptcharakterin hatte ja gerade erst angefangen. War das von vornherein geplant oder hat sich das zufällig ergeben, dass du ihn hast sterben lassen?
Judith Park: Der Tod war schon von Anfang an geplant. Ich hatte aber einfach das Problem, dass ich ziemlich wenig Platz hatte, deswegen habe ich die Story am Anfang ziemlich gestaucht. Ich glaube, wenn ich heute nochmal neu anfangen würde zu zeichnen, würde ich diesen ersten Band auf jeden Fall auf zwei oder drei Bände auslegen, erst die Liebesgeschichte schön ausmalen und dann erst den tragischen Tod einsetzen lassen, das wäre noch viel dramatischer gekommen, aber das ist nun nicht mehr zu ändern.
MS: Wie gefällt dir der Comic-Salon bisher?
Judith Park: Ich finds schön hier. Im Vergleich zur Frankfurter Buchmesse ist es hier sehr entspannt, weil man weiß, man hat nur die Comic-Gemeinde. Das ist sehr kreativ hier. Man kann Zeichner sehen und vieles mehr.
MS: Hast du Gosho Aoyama, den Zeichner von "Detektiv Conan" hier schon getroffen?
Judith Park: Ich hab ihn von der Seite gesehen, als er signiert hat. Ich habe mich nach vorne geschlichen und heimlich ein paar Fotos gemacht.
MS: Kommen wir noch zu ein paar allgemeinen Fragen: Interessierst du dich für Fußball?
Judith Park: So normalerweise nicht, aber zur WM schon! :-) Ich finde sie sehr spannend.
MS: Was ist deine favorisierte Mannschaft?
Judith Park: Südkorea natürlich. ;-)
MS: Deine Geschwister haben alle koreanische Vornamen. Warum du nicht?
Judith Park: Das ist eigentlich 'ne ziemlich komische Geschichte. Mein Vater hatte vor meiner Geburt eine Eingebung, einen Traum und hat mich daraufhin nach dem Namen Judith aus der Bibel benannt. Merkwürdig, aber... :)
MS: Wie haben deine Eltern auf deinen Wunsch, Zeichnerin zu werden, reagiert?
Judith Park: Am Anfang, als noch nicht feststand, dass ich zu einem Verlag komme und einfach in der Schule viel gezeichnet habe, haben sie mir das sogar verboten, haben mit mir geschimpft, dass ich dadurch mein Abitur versauen würde. Aber als ich dann beim Verlag war, kam die Kehrtwende. Dann haben sie gesagt, ich müsse viel zeichnen.
MS: Was machst du sonst in der Freizeit?
Judith Park: Ich zeichne privat auch viel, bin eigentlich wie jede andere, gehe gern ins Kino und einkaufen, treffe mich mit Freunden usw. Ich spiele gerne Klavier und ab und zu mache ich Sport. Letzteres sollte ich eigentlich viel mehr machen. ^^" Ab und zu spiele ich Badminton oder schwimme.
MS: Zu deinen Freunden: Hat sich nach deinem Durchbruch die Beziehung zwischen euch verändert? Hat dein Erfolg eure Freundschaft beeinflusst?
Judith Park: Dadurch, dass ich bekannt wurde, eher nicht. Aber dafür, weil ich durch das viele Zeichnen kaum Zeit für sie hatte. Ich kann mich nur noch selten mit Freunden treffen, aber die meisten haben da Verständnis dafür, zumal sie fast alle studieren und daher auch nicht immer Zeit haben.
MS: Ist das viele Zeichnen auf Dauer nicht sehr stressig?
Judith Park: Normalerweise nicht, aber je näher die Deadline rückt, umso mehr gerate ich in Hetze.
MS: Bevor wir zu einigen speziellen Fan-Fragen an dich kommen, noch eine Frage in eigener Sache: Du sagtest, du wärst von "Sailor Moon" inspiriert worden. Auf PummelDex.de läuft im Moment eine Petition mit dem Ziel, dass die Serie komplett auf DVD erscheint. Wirst du sie unterstützen?
Judith Park: Echt? Das ist klasse. Da würde ich sofort mitmachen! ;-)
MS: Nun noch zum Abschluss ein paar sehr spezielle Fan-Fragen:
1) Sie colorieren ja mit Corel Painter 8 und einer Kombination in Photoshop (soviel ich weiss).
Womit fangen Sie an zu coloriern?
Sind es zuerst die grossen Flächen wie der Hintergrund, oder bearbeiten sie wirklich nur zuerst die Figuren in Painter und den Rest dann in Photoshop?
Judith Park: Erstmal öffne ich die Outlines mit Photoshop und bearbeite sie. Zum Beispiel die Hautfarbe, damit die nicht so weiß ist, sondern etwas weicher wirkt. Ich coloriere im Painter und fange auch dort mit der Haut an, dann kommen Augen, Haare und zum Schluss das Outfit der Person. Dann kommt der Hintergrund an die Reihe. Ich arbeite nicht einheitlich im Photoshop. Wenn ich z.B. die Haut fertig habe, wechsele ich das Programm und bearbeite das Bild weiter. Dann wechsele ich wieder vom Painter zum Photoshop und mache dann den nächsten Schritt.
MS: 2) Ist nun schon etwas mehr dazu zu sagen, ob Sie wirklich noch ein Buch veröffentlichen wird, wo drin erklärt wird, wie Sie arbeitet (Entstehung von einem Scribble bis hin zur fertig colorierten Zeichnung?! Oder war das nur ein falsches Gerücht von Judith Park Fans?
Judith Park: Das Gerücht habe ich selbst noch nicht gehört. XD
MS: 3) Haben Sie einen bestimmten Trick beim Vorzeichnen der ausdrucksstarken Augen ihrer Charaktere bzw. wie beginnen Sie eigentlich die
Augen zu zeichnen?
Judith Park: Ich zeichne zuerst das untere Lid, dann das obere Lid, die Form der Augen. Bei den Augen spielen die Augenbahnen die stärkste Rolle.
MS: 4) [..]Ist Hyung-tae Kim ein Vorbild für dich?
Judith Park: Ja, auf jeden Fall. Ich habe seine Bilder schon vor vier Jahren kopiert. Durch ihn bin ich erst richtig zum Computercolorieren gekommen.
MS: Judith, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg beim Zeichnen und Spaß hier in Erlangen.
Judith Park: Danke schön. :-)
Auf dem Bild: Judith Park & Kyoko |
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