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Olga Rogalski ist eine deutsche Manga Zeichnerin, die für Tokyopop und Carlsen arbeitet. Bisher hat sie den Einzelband „Triple Witching Hour”, eine Kurzgeschichte im Manga Fieber und den Chibi „Strike Back” veröffentlicht. Sie belegte zweimal einen der vorderen Ränge beim Talent-Wettbewerb "Manga-Talente" der Leipziger Buchmesse. Auf der Frankfurter Buchmesse stand sie uns Frage und Antwort.




PummelDex: Einige unserer Leser werden dich wahrscheinlich noch nicht kennen. Stell dich doch mal bitte vor.

Olga Rogalski: Hallo. Ich bin Olga Rogalski und zeichne für Tokyopop und Carlsen. Ich bin 24 Jahre alt, einige sagen, ich sähe älter aus, andere meinen, dass ich jünger aussehe. Momentan wohne ich in Bayern. Ursprüngliche stamme ich aus Russland.

PummelDex: Wann bist du nach Deutschland gezogen?

Olga Rogalski: Im Alter von 12 Jahren, 1995. Hach, das waren noch Zeiten…

PummelDex: Gab es für den Umzug einen speziellen Grund?

Olga Rogalski: Meine Familie wollte schon länger nach Deutschland ziehen. Mein Vater ist Deutscher und er wollte gerne wieder zurück. So sind wir dann umgezogen.

PummelDex: Gab es denn sprachliche Probleme?

Olga Rogalski: Nein. Ich hatte Deutsch in der Schule. Wobei ich sagen muss, als wir nach Bayern kamen, gab es Probleme. Ich konnte nur Hochdeutsch. Als ich in die Schule kam, wurde dort hauptsächlich nur bayrisch gesprochen. In der ersten Zeit kam ich mir dann wirklich veräppelt vor. Ich hab es dann gelernt, aber irgendwie konnte ich es nicht verstehen.

PummelDex: Wie bist du denn zum Zeichnen gekommen?

Olga Rogalski: Die meisten Leute beantworten diese Frage mit: „Seit ich klein gewesen bin.“. Bei mir war es so gewesen: Ich habe gezeichnet seit ich klein gewesen bin, aber mit neun Jahren hab ich dann aufgehört. Das war eine ganz komische Geschichte. Ein Mädchen hatte zu mir gesagt, dass meine Zeichnungen Papierverschwendungen wären. Ich hab ihr geglaubt und hab so aufgehört zu zeichnen. Dann, mit 18 Jahren, hab ich mir Gedanken über meine Zukunft gemacht. Kaufmännische Ausbildung ist nicht mein Fall. Daraufhin beschloss ich auf die Fachoberschule für Gestaltung in Bayern zu gehen. Ich habe dort ohne Vorbereitung an der Aufnahmeprüfung teilgenommen und ich wurde angenommen. Von da an habe ich wieder angefangen zu zeichnen. Vier Jahre später habe ich es dann schließlich zum Verlag geschafft.

PummelDex: Durch die Manga Fieber?

Olga Rogalski: Nicht direkt. Ich hatte den Vertrag zu meinem Einzelband schon vor Manga Fieber. Nur mein Chef fragte, ob ich nicht eine Serie für den Manga Fieber machen will. Ich hätte auch darauf verzichten können, aber ich fand den Manga Fieber einfach toll. Das Training hat mir sehr viel genützt. Ich bedaure es auch nicht.

PummelDex: „Triple Witching Hour” und der Chibi “Strike Back” sind schon erschienen. Woran arbeitest du derzeit?

Olga Rogalski: Nächstes Jahr wird noch etwas erscheinen. Aber es wird noch nichts verraten.

PummelDex: Wird es eine längere Serie oder wieder ein Einzelband?

Olga Rogalski: Ich würde es schon gerne verraten, aber ich weiß nicht, wie mein Chef das dann findet. Aber soviel verrate ich mal: Es wird ein Genre sein, dass ich seit Jahren mag, dass ich früher als Fan gezeichnet habe, aber wovon meine jetzigen Leser keine Ahnung haben, dass ich so etwas zeichnen kann. Es ist als Einzelband geplant, aber es gibt die Möglichkeit, dass ich noch einen Band fortsetze. Die Geschichte ist so aufgebaut, dass da noch etwas dran gehängt werden kann.

PummelDex: Oh, da sind wir mal gespannt!

Olga Rogalski: Dann bin ich auch mal gespannt, wie die Leser es finden werden. Viele mit denen ich gesprochen habe, freuen sich schon drauf (also ich hab da ein paar Andeutungen gemacht). Andere meinten schon „Ich freu mich auf dein nächstes Projekt“ und da hab ich mir dann gedacht „Für die eignet es sich gar nicht.“. Also nichts für männliche Leser.

PummelDex: Wie kam es denn, dass du jetzt auch bei Carlsen bist?

Olga Rogalski: Ich war mit meinem Projekt „Triple Witching Hour” fertig und dann erschienen die ersten Chibis. Da dachte ich mir, dass ich dort noch ein paar Erfahrungen sammeln könnte. Als Zeichner muss man ja flexibel sein. Es ist ja nicht so, dass man verpflichtet ist, nur für diesen einen Verlag zu zeichnen. Ich wollte mal einen anderen Verlag ausprobieren. Eventuell auch mit einem Zweiten in Zukunft zusammenarbeiten. Carlsen und Tokyopop verstehen sich super. Mein Chef meinte, dass es super ist, wenn ich dort Erfahrungen sammeln kann. Meine nächste Serie erscheint aber wieder bei Tokyopop.

PummelDex: Wie verstehst du dich denn mit den anderen deutschen Zeichnerinnen und Zeichner?

Olga Rogalski: Viele Zeichnerinnen sind wirklich gute Freundinnen von mir geworden. Zum Beispiel Anike Hage, Christina Plaka, Alexandra Völker, die DuOs, …

PummelDex: Was hatten denn deine Eltern dazu gesagt, als du Mangaka werden wolltest?

Olga Rogalski: Damals hab ich mit meiner Mutter zusammengelebt, da meine Eltern getrennt leben; sie hat mich von Anfang an unterstützt. Ich hatte ihr gesagt: „Du, Mama, ich will Mangazeichner werden“ und sie fand es super. Früher, als ich noch bis spät in die Nacht gezeichnet hatte, kam sie ins Zimmer, um mich eigentlich ins Bett zu schicken. Aber dann meinte sie: „Ja ok, dann konzentriere dich weiter aufs Zeichnen“ und hat mich in Ruhe gelassen. Mein Vater hat es lange Zeit nicht verstanden. Mittlerweile ist er auch stolz auf mich. Meine Eltern möchte ich nicht tauschen!

PummelDex: Wie viele Stunden zeichnest du am Tag?

Olga Rogalski: Zwischen acht und achtzehn Stunden, von früh bis spät.

PummelDex: Wie lange zeichnest du an einer Seite?

Olga Rogalski: Das ist unterschiedlich. Es ist ja auch nicht so, dass ich eine Seite anfange und sie dann fertig mache, sondern ich arbeite an mehreren Seiten gleichzeitig. Also ich zeichne zum Beispiel fünf Seiten am Tag vor. Wenn es fertig ist, schick ich es meinem Redakteur. Später, wenn er mir ein Feedback zurückschickt, ink ich es (5-6 Seiten am Tag). Mittlerweile raster ich auch sogar traditionell. Fünf Seiten am Tag ist mein momentanes Tempo.

PummelDex: Musstest du denn schon einmal deine Geschichte ändern, egal ob verlängern oder kürzen?

Olga Rogalski: Bei meiner Manga Fieber-Geschichte war es so. Ich hatte für die gezeichneten 24 Seiten vier Seiten Kritik bekommen. Da musste ich alles neu zeichnen.

PummelDex: Das war doch sicher deprimierend…

Olga Rogalski: Nein, eigentlich nicht. Ich kannte Jo (Dr. Joachim Kaps, Anm. d. Red.), er war der Redakteur vom Manga Fieber. Ich kannte Jo schon Jahre vorher. Wir haben uns immer auf Messen und Conventions getroffen und bin ihm mit meiner Mappe hinterher gelaufen und immer "Joohooo! Schau' Dir das mal an!", gerufen. Wir kennen uns schon seit 2002.

PummelDex: Was benutzt du sonst noch für Material?

Olga Rogalski: Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Bei meinem ersten Projekt hab ich Tusche verwendet. Bei „Strike Back“ hab ich das Manga Studio verwendet mit Grafiktablett. Mein jetziges Projekt ist mit Bleistift vorgezeichnet, getuscht und gerastert. Ich habe es nun auch endlich geschafft, Rasterfolie zu verwenden ohne mich zu schneiden!

PummelDex: Hast du Vorbilder für deine Charaktere?

Olga Rogalski: Das ist unterschiedlich. Bei der Robofisch-Geschichte im Manga Fieber hatte ich einen Einfall gebraucht. Der kam eines Tages einfach so. Bei „Triple Witching Hour” sind mir die Charaktere im Traum erschienen. Die ganze Geschichte basiert auf einem Traum, wobei ich dann nach dem einen Traum noch einen Nachfolgealptraum hatte, in dem die Frage auftauchte „Hast du die Idee, diese Geschichte zu zeichnen?!“

PummelDex: Träumst du oft so etwas?

Olga Rogalski: Bei mir kommt es wirklich selten vor, dass ich normale Sachen träume. Es ist oft so, dass ich aufwache und mir die Sachen gleich aufschreibe.
Die „Strike Back“-Geschichte basiert größtenteils auf meinen eigenen Erfahrungen. Teilweise aber auch auf Erfahrungen von Bekannten. Meine Freundin Tina, eine ehemalige Klassenkameradin, hatte mich mehrere Jahre mit diesem Lebenstraum in den Wahnsinn getrieben: „Wenn ich 25 bin, werde ich verheiratet sein, ein Mädchen und einen Jungen haben und einen Affen“. Der Affe war ihr sehr wichtig. Den Manga habe ich ihr zum Geburtstag geschenkt und dann mit ihr telefoniert. Sie meinte, sie fand das ganz toll. Ihr Traum hat sich derweilen verändert, aber den Affen will sie immer noch.
Meine nächste Geschichte basiert teilweise auf eigenen Erfahrungen, ist teilweise aber auch erfunden.

PummelDex: Was machst du, wenn du nicht zeichnest?

Olga Rogalski: Ich bereite mich auf das Studium vor. Ich möchte nächstes Jahr Japanologie, Asienwissenschaften oder modernes Japan studieren. Ich hab mich noch nicht für eine Uni entschieden. Außerdem lese ich gerne, spiele Computer, lese Manga…

PummelDex: Was für eine Lieblingsserie hast du?

Olga Rogalski: „Bleach“, „Death Note“, “Prince of Tennis”…

PummelDex: Also eher die Shonen-Serien?

Olga Rogalski: Ja, im Moment ist das eher meine Richtung. Aber zum Beispiel „Denkou Sekka Boys“ von Asami Tohjo ist eine wunderschöne Shonen-Ai-Geschichte oder „Only the Ring Finger knows“ von Satoru Kannagi / Hotaru Odagiri find ich toll. Eine meiner Lieblingsserien in Russland war "Dominion Tank Police", welches auf der gleichnamigen Mangavorlage von Masamune Shirow basiert. Ich konzentriere mich nicht auf ein Genre, sondern lese sehr viel.

PummelDex: Hast du Vorbilder?

Olga Rogalski: Kôyu Shurei die Mangaka von „Alichino“ hat mich am meisten geprägt. Außerdem Azumi Tohru, eine japanische Fanartzeichnerin. Von ihr gibt es bisher nur drei Artbooks. Ich hab die letzten drei Jahre nach diesen Artbooks gesucht. Ansonsten Asami Tohjo, Satoshi Shiki, der Zeichner von „Kamikaze“, und Takeshi Obata.

PummelDex: Du hast bestimmt schon gehört, dass es zu etlichen deutschen Serien Merchandise-Artikel gibt. Was hältst du davon? Wünschst du dir solche Artikel für deine neue Serie?

Olga Rogalski: Ja, wenn ich die Chance dazu hätte. Momentan ist ein kleiner Merchandise-Artikel für meine neue Serie geplant. Aber ich weiß nicht, in wie weit sich meine Ideen umsetzen lassen. Ich werde meinen Chef annerven. Ich will es haben…

PummelDex: Zu „Catwalk“ von Alexandra Völker ist ja nun ein Hörspiel erschienen. Wie findest du die Idee?

Olga Rogalski: Die Idee ist super. Aber für mein nächstes Projekt wird es wohl eher etwas schwierig. Für „Strike Back“ könnte ich mir eine Umsetzung vorstellen. Bei anderen Manga ist die Story zu kompliziert.

PummelDex: Gestern fand die Verleihung des Sondermanns statt. Hast du Anike schon gratuliert?

Olga Rogalski: Gestern um 1 Uhr nachts. Ich hatte erst spät erfahren, dass sie gewonnen hat, ich war nämlich gestern nicht hier. Sie hat ihn auch verdient, denn „Gothic Sports“ ist wirklich toll. Ich nehme an, sie wird jetzt mehr an sich glauben. Anike ist eher selbstkritisch. Ich find es toll, dass sie nicht abgehoben ist.

PummelDex: Wie gefällt dir denn die Buchmesse?

Olga Rogalski: Ich wünsche mir seit Jahren eine Buchmesse wirklich anschauen zu können. Aber seit 2003 kann ich das nicht mehr. Ich würde es gern mal tun, aber…

PummelDex: Was hast du denn heute hier alles gesehen?

Olga Rogalski: Ich bin hier rein gekommen. Hab erstmal alle begrüßt. Bisher hab ich nur die Verlagsstände und den Signierbereich gesehen. Ich bin im Prinzip zum Signieren und Interviewgeben hier ;)

PummelDex: Wie lange bist du gefahren?

Olga Rogalski: Vier Stunden. Das ist aber gar nichts. Wenn ich Anike besuche, fahre ich 12 Stunden mit fünf Mal umsteigen.

PummelDex: Ihr besucht euch aber nicht oft oder?

Olga Rogalski: Nein ;) Aber dafür dann für längere Zeit.

PummelDex: Helft ihr euch beim Zeichnen?

Olga Rogalski: Eigentlich nicht. Eher moralische Unterstützung. Kritik auch weniger, sondern eher aufmuntern, wenn einer von uns down ist. Sie ist sehr lieb. Es ist toll, dass es solche Zeichnerfreundschaften gibt. Sie versteht meine Situation am besten und ich ihre.

PummelDex: Hast du dich auch von Comics beeinflussen lassen oder nur Manga?

Olga Rogalski: Ich hab mich jetzt am meisten vom Manga beeinflussen lassen. Das liegt auch daran, dass es in Russland sehr viele japanische Animeserien im Fernsehen gab. „Sailor Moon“, ??? Police“ und noch sovieles wo ich den Namen nicht kenne. Ich würde mir wünschen die Namen zu kennen, denn ich würde die Serien gerne wieder sehen. Als ich dann nach Deutschland kam, hab ich zunächst die Manga nicht in den Regalen gefunden. Die gabs bei uns auch nicht. „Sailor Moon“ hab ich zufällig auf ZDF entdeckt. Später, als der Manga dazu in den Handel kam, hab ich ihn mir gleich gekauft. Ich hab damals alles gekauft was zum Thema Manga in den Handel kam.

PummelDex: Was sammelst du noch außer Manga?

Olga Rogalski: Anime und Videospiele.

PummelDex: Hast du da irgendwelche Lieblingsserien?

Olga Rogalski: Ähnlich wie bei den Manga: „Bleach“ und „Code Geass“. Bei den Videospielen „Final Fantasy“, „Kingdom Hearts“ und „Devil May Cry“. Anike hat mich neulich auf „Resident Evil“ gebracht. Bei Final Fantasy mag ich am liebsten den achten Teil. Ich liebe Squall. Den zehnten Teil hab ich noch nicht gespielt, weil mir das Lösungsbuch fehlt. Ohne Lösungsbuch trau ich mich nicht dran.

PummelDex: Vielen Dank für das nette Interview. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und freuen uns schon auf deine neue Serie.

Olga Rogalski: Vielen Dank.




Auf dem Bild: Olga Rogalski

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