Lost CTRL

Name: Lost CTRL
Englischer Name:
Originaltitel: Lost CTRL
Herausgebracht: Deutschland: Carlsen 2014
Mangaka: Evelyne Park
Bände: 2 Bände
Preis pro Band: 6,95 €

Lost CTRL 01 Story:
Im Jahr 2035 ist die Technisierung der Welt weit fortgeschritten – Peilsender sind keine Seltenheit mehr, ebenso gibt es Menschen, die Teile ihren Körper mit Maschinen aufrüsten. Scarlet gehört zu denjenigen, die sich freiwillig einer Operation unterziehen, um schneller und stärker zu werden. Im Auftrag der Regierung soll sie anschließend den Rebellen Nium überwachen, verliebt sich jedoch in ihn und schließt sie der Gruppe an. Als die Gruppe zu zerfallen droht und Niums Leben immer stärker in Gefahr gerät, beschließt dieser sich für 10 Jahre einfrieren zu lassen, um in der Zukunft eine zweite Chance auf Erfolg zu haben. Scarlet soll ihm dabei helfen 10 Jahre später einen erneuten Angriff auf das System durchzuführen.

Aus 10 Jahren werden 100 und unglücklicherweise ist Scarlet die Einzige, die in der Zukunft aufwacht – Niums Kapsel war nie funktionstüchtig, weswegen er diesen Schritt nie gegangen ist. Für Scarlet bricht eine Welt zusammen, doch in den wenigen Mitgliedern der Rebellion, die sich in den vielen Jahrzehnten nie vollkommen aufgelöst hat, findet sie neue Freunde. Gemeinsam suchen sie einen Weg das System, das die ganze Welt beherrscht zu Fall zu bringen, doch dafür muss Scarlet zunächst lernen, wie sie sich in der Online-Welt zurechtfindet und welche erschreckenden Ausmaße die Technik angenommen hat …

Eigene Meinung:
„Lost CTRL“ ist der neuste Manga der Zeichnerin Evelyne Park, die unter ihrem Mädchennamen Evelyne Bösch für den Manga „Feed me Poison“ verantwortlich ist. Während sie in ihrem Debüt die Leser in eine mittelalterliche Welt entführt hat, entwirft sie dieses Mal eine düstere Zukunftsvision, in der das Leben vom Netz bestimmt wird.

Inhaltlich ist man bereits nach wenigen Seiten in der Geschichte. Man lernt Scarlet kennen, die zusammen mit ihrem Geliebten Nium ein neues Leben in der Zukunft anstrebt, ohne jedoch ihre eigentliche Aufgabe zu vergessen – die Rebellion zum Erfolg zu führen. Dass dieser Plan scheitert und Scarlet erst 100 Jahre später geweckt wird, bildet eine spannende Grundlage, denn urplötzlich ist die Heldin der Geschichte in einer Situation, die sie komplett überfordert. Während sie im Jahr 2035 als Wunderwerk galt, ist sie inzwischen ein veraltetes Modell, was sie dem Leser ungemein sympathisch macht. Auch die fortlaufende Geschichte ist sehr gut und in Lost Ctrl Band 2sich schlüssig aufgebaut. Evelyne Park nimmt sich viel Zeit, die wichtigen Dinge, Hintergründe und historischen Entwicklungen zu erklären – man lernt sie quasi mit Scarlet gemeinsam kennen. Dabei merkt man, wie viele Gedanken sich die Autorin über die gesellschaftlichen, politischen und historischen Hintergründe gemacht hat. Sie offenbart wie das System funktioniert, welche Probleme die Rebellen in der Zukunft haben und wie begrenzt die Mittel der einzelnen Charaktere sind, um sich dem Zugriff des Netzes zu entziehen. Dabei ist alles logisch aufgebaut, was der Geschichte wirklich zugutekommt. Man versinkt schnell in der faszinierenden Zukunftsvision der Mangaka und sehnt die Fortsetzung herbei, da sie es sich nicht nehmen lässt den ersten Band mit einem Cliffhanger enden zu lassen.
Nichtsdestotrotz webt die Zeichnerin immer wieder witzige und amüsante Szenen ein, die die ernste Grundstimmung ein wenig auflockern und dem Manga die düstere Atmosphäre aufhellen.

Die Charaktere sind sehr gut in Szene gesetzt, allesamt sympathisch und interessant. Gerade die Heldin ist sehr lebendig und greifbar, so dass man sich problemfrei mit ihr identifizieren kann. Auch die übrigen Charaktere können überzeugen. Evelyne Park baut immer wieder kleine Andeutungen rund um Scarlets Freude ein und zeigt auf, dass nicht nur die Heldin mit Problemen zu kämpfen hat. Seien es Virus und Jeckyll, Tristan und Butler – jeder von ihnen hat die ein oder andere Leiche im Keller oder muss sich mit persönlichen Problemen auseinandersetzen. Im Laufe der Zeit lernt man dadurch alle Figuren näher kennen und kann sich gut mit ihnen identifizieren. Sie alle haben ihre Stärken und Schwächen, gute wie schlechte Angewohnheiten. Das macht sie sehr greifbar und gut nachvollziehbar.

Zeichnerisch bewegt sich Evelyne Park auf einem sehr hohen Niveau. Sie hat einen sehr detaillierten, leicht realistischen Stil, der auch bei Actionszenen und dynamischen Sequenzen gut funktioniert. Auch die Hintergründe sind aufwendig ausgearbeitet, die zukünftige Welt sehr schön in Szene gesetzt. Der starke Einsatz von Rasterfolie mag Geschmackssache sein, doch insgesamt kann „Lost CTRL“ auch stilistisch überzeugen.

Dank der ungewöhnlichen, düsteren Story, der spannenden Hintergrundidee und dem mitreißenden Erzählstil der Mangaka kann „Lost CTRL“ problemfrei mit der japanischen „Konkurrenz“ mithalten. Evelyne Park überzeugt mit Spannung, einem soliden Zeichenstil, einer gut dosierten Portion Humor und liebenswerten Charakteren. Wer Sci-Fi, Dystopien und düstere Zukunftsgeschichten mag, sollte definitiv zugreifen. Bei den deutschen Mangas gehört „Lost CTRL“ definitiv zu den Besseren – zu empfehlen.

Lost CTRL: © 2014 Evelyne Park, Carlsen

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Feed me Poison

Name: Feed me Poison
Englischer Name:
Originaltitel: Feed me Poison
Herausgebracht: Deutschland: Carlsen 2012
Mangaka: Evelyne Bösch
Bände: Einzelband
Preis pro Band: 5,95 €

Feed me PoisonStory
Hélènes größter Tag in ihrem Leben steht bevor – ihre eigene Hochzeit! Ihre Vater, der König des kleinen Reiches von „Glass“, hat ihre Hochzeit mit Prinz Nathan aus dem Nachbarland „Enell“ bereits arrangiert, als sie noch ein Kind war. Nun sind es nur noch wenige Wochen bis zur Trauung. Vor Hélènes Augen dreht sich alles, wenn sie nur dran denkt, dass sie damit zur zukünftigen Königin wird und über das Schicksal von Enell und Glass entscheiden muss. Denn zwischen den Ländern Enell und Dassarass, einem angrenzenden Staat, herrscht seit über 200 Jahren ein erbitterter Krieg. Glass hingegen war schon immer neutral und keinem Land feindlich gestellt. Seit die Verlobung und somit das Bündnis zwischen Enell und Glass jedoch bekannt ist, fürchtet Dassarass eine Übermacht und damit die baldige Niederlage.

Schon während der Verlobungsfeier herrscht buntes Treiben, auch wenn Hélène weiß, dass sie hier nur Zierde ist, während ihr zukünftiger Mann mit Generälen und Politikern spricht. Dabei möchte sie gerne ernst genommen werden und ihren Beitrag zu diesen Plänen und Gesprächen leisten. Sie hat sich ausgiebig mit der Geschichte der Länder und des Krieges auseinander gesetzt und arbeitet bereits daran, eine friedliche Lösung des Krieges und eine Handelspartnerschaft zu entwickeln.

Der Einzige, der ihr jedoch zuhört, ist Shiin, ihr neuer Vorkoster. Für Hélène ist Shiin allerdings viel mehr. Sie nutzt ihn nicht nur als Vorkoster, sondern auch als Lehrer, Berater, Bodyguard, Einkaufsbegleiter und Wecker. Was Hélène aber nicht weiß – Shiin stammt eigentlich aus Dassaras. Er gehört dort zur Gilde der Shinobi und ist zusammen mit Ines, die sich als Küchenmagd ausgibt, beauftragt wurden, Hélène unauffällig zu töten. Das Bündnis zwischen Enell und Glass muss unter allen Umständen verhindert werden! Um es wie einen natürlichen Tod aussehen zu lassen und keinen Verdacht zu erregen, mischt Ines ihr täglich eine geringe Dosis eines starken Giftes in ihr Essen. Shiin hingegen muss es ihr nur noch auftischen. Über mehrere Wochen hinweg soll dies zum Herzstillstand führen und Hélène töten!
Der Plan scheint keine Mängel zu haben. Alles ist absolut wasserdicht durchdacht. Das einzige was Shiin vergessen hat, sind seine eigenen Gefühle für Hélène!

Eigene Meinung
„Feed me Poison“ trägt den Stempel „Made in Germany“. Auch wenn die deutsche Herkunft eindeutig am Zeichenstil, der sich doch wesentlich von seinen japanischen Vorbildern unterscheidet, zu erkennen ist, kann die Geschichte absolut mit den internationalen Konkurrenten mithalten. Diese ist in sich stimmig und fesselt den Leser. Vor allem der innere Konflikt, in dem sich Shiin befindet, ist höchst interessant zu verfolgen. Den Leser zerreißt es beinahe vor Spannung bei der Frage, wie sich Shiin entscheiden und wie die Geschichte wohl ausgehen wird. Dennoch bleiben viele Fragen offen, wodurch das Finale nicht ganz überzeugen kann. Diese Tatsache ist beim Verlauf der Geschichte wirklich sehr schade.

Die gutherzige Träumerin Hélène und der zwiegespaltene Attentäter mit Herz Shiin sind dennoch eine wirklich spannende und sympathische Kombination.

© Izumi Mikage
Feed me Poison: © 2012 Evelyne Bösch/ Carlsen

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